Trotz des Ölpreis-Verfalls laufen die Geschäfte der deutschen Wirtschaft mit wichtigen Förderstaaten besser denn je. Die Exporte zum weltgrössten Erdölproduzenten Saudi-Arabien zogen von Januar bis November 2015 um 13 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro an. Sie erreichten damit schon fast das Niveau des gesamten Vorjahres, als mit 9,2 Milliarden Euro ein Rekordwert erreicht wurde.

Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlagen. Die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schossen sogar um fast ein Drittel auf knapp 13 Milliarden Euro nach oben. Damit wurde der 2014 erreichte Rekord von 11,4 Milliarden Euro bereits nach elf Monaten deutlich übertroffen.

Emirate breiter aufgestellt

«Die Emirate haben es geschafft, ihre Wirtschaft breiter aufzustellen», erklärte der Aussenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, zu Reuters. «Vor allem Dubai hat sich als Verkehrs- und Logistik-Drehkreuz, Finanzzentrum und Tourismusziel einen Namen gemacht.» Von solchen Projekten profitierten deutsche Unternehmen - von Tunnel- bis zu Kraftwerksprojekten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut dem Land bis 2020 stabile Wachstumsraten von mehr als drei Prozent zu.

Auch Saudi-Arabien hat die Wirtschaft längst nicht abgeschrieben. «Das Land verfügt über hohe finanzielle Reserven und kann sich die Politik des billigen Öls noch leisten», betonte Treier. Der Staat investiere weiter in seine Infrastruktur und grosse Bauprojekte wie die U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Dafür werde auch künftig deutsches Know-how benötigt.

Schnelles Wachstum trotz weniger Petrodollars

Auch Maschinen, Anlagen, Autos, Luxusgüter und Nahrungsmittel «Made in Germany» seien nach wie vor gefragt. IWF-Prognosen zufolge ist das Land im vergangenen Jahr trotz der drastisch gesunkenen Öleinnahmen mit 3,4 Prozent ähnlich schnell gewachsen wie 2014. In diesem Jahr sollen es 1,2 Prozent sein.

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Ende Dezember summierte sich das Auslandsvermögen Saudi-Arabiens - vor allem US-Staatsanleihen und Guthaben bei Banken - auf 628 Milliarden Dollar. Mehr als 90 Milliarden Dollar musste die Regierung bereits aus dem Topf entnehmen, um ihr riesiges, durch den Einbruch der Ölpreise verursachtes Haushaltsdefizit zu decken. Das belief sich 2015 auf mehr als 100 Milliarden Dollar. Auf Dauer sei das nicht tragbar, so der IWF. Ohne ein Umsteuern könnte dem Land innerhalb von fünf Jahren das Geld ausgeben.

Der Ölpreis-Verfall hat sich seit Jahresbeginn noch beschleunigt: Diese Woche kostete ein Fass so wenig wie seit rund 13 Jahren nicht mehr. An den Ölmärkten ist der Internationalen Energie-Agentur zufolge vorerst kein Ende des Überangebots in Sicht, das neben der mauen Weltkonjunktur massgeblich für das billige Öl verantwortlich ist. Nach der Aufhebung von Sanktionen drängt zudem der Iran zurück auf die Märkte, was den Preis niedrig halten dürfte.

(reuters/chb)