Die Welt verliert mit Helmut Kohl eine prägende Persönlichkeit der Nachkriegszeit. Der langjährige CDU-Vorsitzende starb im Alter von Jahren am 87 Jahren. Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung darüber berichtet. Den Angaben zufolge starb Kohl am Morgen in seinem Haus in Ludwigshafen. Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war er schwer krank, sass im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert.

Nach Operationen lag er monatelang im Spital. Im Herbst kehrte Kohl aber wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfing.

Lob aus allen politischen Lagern

Die CSU trauert um den langjährigen Vorsitzenden ihrer Schwesterpartei CDU. «Helmut Kohl war ein grosser Staatsmann, seine Verdienste um unser Land sind unschätzbar», twitterten die Christsozialen mitsamt einem Schwarz-Weiss-Foto des früheren CDU-Parteichefs.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte Kohl einen «grossen Staatsmann». Vor allem sei Kohl «ein grosser Europäer» gewesen.

Er habe sehr viel dafür getan, «dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist», teilte Gabriel mit. Das sei Kohls grosses Vermächtnis. «Es ist ein wirklich grosser Deutscher gestorben.»

Auch vom deutschen Grünen-Chef Cem Özdemir erhielt Kohl die Würdigung als «grosser Europäer». Kohls Name werde für immer in Verbindung stehen mit «einem der grossartigsten Nachkriegsprojekte - der deutschen Wiedervereinigung

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker liess im Gedenken an Helmut Kohl die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf halbmast setzen. «Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht», sagte Juncker. Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl hätten für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten, erinnerte er.

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Leuthard: «Weitsichtiger Politiker»

Auch die offizielle Schweiz reagierte auf den Tod des früheren deutschen Kanzlers Helmut Kohl. Bundespräsidentin Doris Leuthard würdigte den am Morgen mit 87 Jahren verstorbenen auf Twitter mit den folgenden Worten:

«Mit Helmut Kohl ist ein Staatsmann gestorben, der unseren Kontinent während Jahrzehnten geprägt hat. Er war ein grosser, weitsichtiger Politiker. Als Kanzler der deutschen Einheit und überzeugter Europäer wird er unvergessen bleiben.»

«Er war der beste Freund der Schweiz», sagte alt Bundesrat Adolf Ogi, der den damaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl 1993 als Bundespräsident in Bern empfangen und kennengelernt hat. Kohl habe die Eigenart der Schweizer und die Politik des Landes verstanden. Kohl habe die Schweiz als Modell für Europa gesehen, sagte Ogi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA - als Modell für das Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen und den Umgang mit Minderheiten.

Kohl habe Epochales für Europa geleistet, als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung, zusammen mit Michail Gorbatschow. Dafür sei der am Morgen Verstorbene von der Geschichte noch gar nicht genug gewürdigt worden, sagte Ogi weiter. Kohl habe ein grosses Herz gehabt und viel Wärme verströmt. Man habe gemerkt, dass er sich in der Schweiz wohlgefühlt habe.

Mann der Rekorde

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung.

Als sein grösster Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Grossbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Kohl war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er CDU-Vorsitzender - eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein.

Angespanntes Verhältnis zu Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre ihr Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen.

Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl massgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert.

Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre - von 1969 bis 1976 - war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne - Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter.

(sda/chb)