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Geldpolitik
Devisenbilanz der SNB: Mehr Euro, hohe Verluste

SNB: Die bilanz hat sich zu Gunsten des Euro verschoben.Keystone

Die Schweizerische Nationalbank legt die Devisenbilanz auf den Tisch. Sie hält mehr Euro, die nach dem Mindestkurs-Ende weniger wert sind. Und auch auf den anderen Devisen drohen hohe Verluste.

Veröffentlicht am 30.01.2015

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Devisenbestände per Ende 2014 nach Währungen offengelegt. Sie verfügte über Devisenanlagen von damals umgerechnet 510 Milliarden Franken. Allein die Euro-Bestände sind im letzten Quartal um 22,2 Milliarden Euro auf 196,5 Milliarden Euro gestiegen.

Damals, noch vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken, wurden diese Euro-Anlagen umgerechnet mit 236,3 Milliarden Franken bewertet. Am Freitagmorgen notierte der Euro zeitweise bei 1,05 Franken, so stark wie nie, seit die SNB ihren Euro-Mindestkurs am 15. Januar aufgegeben hat. Ein gegenüber Ende 2014 unveränderter Euro-Bestand wäre damit noch rund 206 Milliarden Franken wert. Die SNB müsste also alleine hier momentan einen Bewertungsverlust von 30 Milliarden Franken hinnehmen.

Weitere Euro-Käufe vermutet

Allerdings gehen diverse Analysten davon aus, dass die SNB weiterhin mit Euro-Käufen am Markt interveniert und damit die Bestände der Gemeinschaftswährung nochmals erhöht hat. Die Währungshüter hatten sich dies vorbehalten, um der Franken-Aufwertung entgegenzuwirken. Auf weitere Interventionen deuten zudem die zuletzt weiter gestiegenen Giroguthaben hin.

Die SNB hatte bestätigt, Ende 2014 erstmals seit September 2014 wieder Euros gekauft zu haben, um den Mindestkurs durchzusetzen. Angesichts der angekündigten Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und dem erwarteten Machtwechsel im Euro-Krisenstaat Griechenland erhöhte sich der Druck im Januar weiter.

Die SNB wurde zu weiteren Devisenkäufen gezwungen. Sie entschied sich dann zur Aufgabe des Mindestkurses. Laut SNB-Direktionsmitglied Fritz Zurbrügg hätte die Nationalbank zur Aufrechterhaltung mit immer höheren Beträgen am Devisenmarkt intervenieren müssen. Wie er dem «Blick» sagte, «hätten wir allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen».

Rekordgewinn weg

Doch auch auf den anderen Devisenanlagen drohen der SNB drastische Bewertungsverluste: Zum Jahresende verfügte die Nationalbank über 148,3 Milliarden US-Dollar (damals 147,2 Milliarden Franken), 4,7 Billionen Yen (39,3 Milliarden Franken), 22,1 Milliarden Pfund (34,2 Milliarden Franken) und 24,4 Milliarden kanadische Dollar (20,9 Milliarden Franken). Hinzu kamen weitere Währungsbestände, die mit 32 Milliarden Franken bewertet wurden.

Alleine bei den Dollar-Anlagen stehen derzeit Bewertungsverluste von rund 11 Milliarden Franken an. Die Einbussen bei Euro und Dollar alleine übertreffen damit momentan den Rekordgewinn der SNB von 38 Milliarden Franken im vergangenen Jahr.

Der Euro machte zum Jahresende 46,3 Prozent der Devisenanlagen der SNB aus. Ende des dritten Quartals waren es 44,6 Prozent gewesen, Ende 2013 noch 49,2 Prozent. Der Dollar-Anteil ist gegenüber dem Vorquartal mit 28,9 Prozent unverändert. Ende 2013 waren es 25,9 Prozent gewesen. Neben dem Euro-Beständen sind auch die Dollar-Anlagen im Schlussquartal 2014 deutlich gestiegen, und zwar um 6 Milliarden Dollar.

(sda/ise/chb)

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