Die Waffenruhe in Syrien ist am Montag ausgelaufen. Um Mitternacht verstrich die Frist für das von der Armee ausgerufene «Regime der Ruhe», ohne dass eine Verlängerung bekanntwurde. Rebellenkommandant Sakaria Malahifdschi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Waffenruhe sei «praktisch gescheitert und am Ende». Er habe auch keine Hoffnung, dass die für Aleppo bestimmten Hilfsgüter die belagerte Stadt noch erreichen könnten.

Zudem deutete er an, dass die Aufständischen die Kämpfe wiederaufnehmen könnten: «Ich kann mir vorstellen, dass die Gruppen in nächster Zukunft handeln.» Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb am Montag, die Waffenruhe habe bis Sonntagabend 23.59 lokaler Zeit (22.59 MESZ) gegolten.

«Grosse Lüge»

Die Waffenruhe ist nach Ansicht der Opposition eine «grosse Lüge». Die Feuerpause habe nicht gehalten und ihr Ziel verfehlt, humanitäre Hilfe zu notleidenden Menschen zu bringen, sagte der führende syrische Regimegegner George Sabra am Montag der Nachrichtenagentur dpa. «Für uns war es Zeitverschwendung», sagte er weiter. Jede Verlängerung der Waffenruhe werde unglaubwürdig sein. Sabra ist Mitglied des Hohen Verhandlungskomitees (HNC), das die syrische Opposition bei den ausgesetzten Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Während der Feuerpause sollten zwei Konvois Lebensmittel nach Aleppo bringen, wo im Osten der Stadt etwa 280'000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten sind. Die Lastwagen hängen jedoch an der türkisch-syrischen Grenze fest. Der für humanitäre Hilfe zuständige UnoNO-Vertreter Stephen O'Brian zeigte sich am Montag enttäuscht. Es schmerze ihn, dass die Hilfe ihr Ziel nicht erreicht habe. Laut der Uno hat die syrische Regierung weder Sicherheitsgarantien gegeben noch Genehmigungen für eine Weiterreise erteilt.

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US-Luftangriff belastet

Die USA und Russland hatten sich vor gut einer Woche auf ein Ende der Kämpfe in dem seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Bürgerkrieg verständigt. Dies galt als Chance zur Versorgung der Bevölkerung und für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden. Allerdings haben sich die Regierung in Damaskus und die Rebellen in den vergangenen Tagen gegenseitig einen Bruch der Waffenruhe vorgeworfen. Zudem wurde diese von einem US-Luftangriff belastet, bei dem Dutzende syrische Soldaten ums Leben kamen.

(sda/gku)