Kurz nach der WM ist Brasilien schon wieder Gastgeber. Diesmal geht es nicht um Fussball, sondern um den BRICS-Gipfel der wichtigsten Schwellenländer. Das Quintett will seine Rolle als "Global Player" ausbauen und mit der Gründung einer eigenen Bank international Flagge zeigen.

Eigentlich haben die BRICS-Staaten, also die fünf wichtigsten Schwellenländer, die Grenze zu "Global Playern" in ihren Handelsbeziehungen längst überschritten. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - aus deren Anfangsbuchstaben sich die Abkürzung zusammensetzt - machen nicht nur 26 Prozent der Erdoberfläche aus, sie stellen auch fast die Hälfte der Weltbevölkerung.

China und Russland sind zudem ständige Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat. An diesem Dienstag und Mittwoch treffen sich die Staats- und Regierungschefs in Brasilien zu ihrem sechsten Gipfel. Mit der Gründung einer eigenen Entwicklungsbank und einem Währungsreservefonds wollen sie sich gegen Krisen rüsten, als Finanzierer auftreten und demonstrativ Handlungsfähigkeit zeigen.

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Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff empfängt ihre Gäste am Dienstag in der Atlantik-Stadt Fortaleza im Nordosten des Landes. Es kommen Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping, der südafrikanische Präsident Jacob Zuma und Indiens Premierminister Narendra Modi.

China steuert Löwenanteil bei

Das zweitägige Treffen, das am Mittwoch in Brasília weitergeht, steht unter dem etwas sperrigen Titel "Inklusives Wachstum: Nachhaltige Lösungen". Darum kümmern sich am Montag schon bei vorbereitenden Arbeitssitzungen die Finanz- und Wirtschaftsminister sowie die Notenbank-Chefs des Länder-Quintetts.

Im Mittelpunkt steht die Gründung der BRICS-Entwicklungsbank sowie das "Contingent Reserve Arrangement" (CRA), eine Vereinbarung für finanzielle Rückstellungen. Die Bank, deren Name und Sitz noch festgelegt werden soll, finanziert Projekte in den BRICS-Ländern und deren Regionen.

Jeder Staat gibt zunächst 10 Mrd. Dollar als Startkapital, die Gesamteinlage soll auf 100 Mrd. Dollar wachsen. Der CRA-Mechanismus ist als Abwehrinstrument gedacht, sollte ein BRICS-Mitglied in Finanzturbulenzen geraten. Die Einlage beträgt 100 Mrd. Dollar, wovon China mit über 40 Prozent den Löwenanteil beisteuert.

Wohl kein Geld für Argentinien

Beide Instrumente sind als Spiegelbilder zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds IWF gedacht, sollten aber mitnichten Konkurrenz, sondern vielmehr Ergänzung sein, wie brasilianische Diplomaten versicherten.

Ob das wegen der Milliarden-Schulden und auslaufender Fristen in schweres Fahrwasser geratene Argentinien aber von dem Treffen profitieren kann, ist mehr als fraglich. Denn wenn die BRICS ihren Währungsfonds beschliessen, soll der vermutlich erstmal nur für Mitglieder-Länder zur Verfügung stehen.

Und Russlands Präsident Putin hat schon vor Beginn seiner laufenden Lateinamerika-Reise klar gemacht, dass eine Erweiterung der BRICS im Moment nicht erwogen wird. Wer aber letztlich das Sagen hat über die neuen Milliarden der BRICS, darüber muss noch diskutiert werden. Die BRICS-Länder verstehen sich zwar als strategische Partner, sind aber im Wettlauf um internationalen Einfluss und Märkte oft auch harte Konkurrenten.

(sda/chb)