Bisher verwendeten Schlepper vor allem alte Fischerboote, Schlauchboote und andere kleine Schiffe für die Überfahrt über das Mittelmeer. Dabei überliessen sie teils den Flüchtlingen selbst das Steuer. Doch nun haben sie ihre Taktik geändert. Sie setzen zunehmend auf grosse Kähne und die Hilfe der Marinekräfte. So setzten die Schmuggler gezielt Hilferufe ab, beschädigten die Boote oder zwangen die Flüchtlinge zum Sprung ins Wasser, um die Marine zum Eingreifen zu nötigen.

Der Hauptvorteil von Frachtern ist wohl ihre Grösse und ihre grössere Seetauglichkeit. Anders als kleine Fischerboote können die Frachter nicht nur kurze Strecken wie von der libyschen Küste zur Insel Lampedusa zurücklegen, sondern auch grosse Entfernungen wie von Syrien nach Italien bewältigen. Zudem hält sie im Gegensatz zu Schlauchbooten auch das raue Winterwetter nicht von der Überfahrt ab. Ausserdem können sie bei einer einzigen Fahrt hunderte Flüchtlinge transportieren.

Klapprige Frachter günstig zu haben

Alte Frachter von 40 oder 50 Jahren wie die jüngst eingesetzten Schiffe sind nach Angaben des Schifffahrtsexperten David Olsen bereits für weniger als 700'000 Euro zu haben. Bei so alten Schiffen lohne es sich nicht einmal, sie zum Abwracken nach Indien zu bringen. Laut Branchenkennern sind alte Frachter sogar auf der Online-Auktionsplattform Ebay zu haben. Joel Millman von der Internationalen Organisation für Migration sagt, der Bürgerkrieg in Syrien, der monatlich tausende Menschen zum Verlassen des Landes zwingt, schaffe eine konstante Nachfrage von Flüchtlingen, die tausende Euro für eine Überfahrt zu zahlen bereit sind.

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Mit mehreren hundert Flüchtlingen pro Frachter können die Schlepper ihre Einnahmen optimieren. Nach Schätzungen der Internationalen Organisatione für Migration (IOM) vom Freitag pressen Schlepper den Flüchtlingen pro Kopf zwischen 1000 und 2000 Dollar für die Überfahrt ab. Andere Stellen sprechen noch von höheren Preisen.

(sda/se)