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Die Mittelschicht wächst unter Kim Jong-un

Das schrille Kriegsgeschrei gegen die USA und Südkorea könnte sich vor allem nach Innen richten. Für Reformen muss der nordkoreanische Jungdiktator seine Armee-Elite um sich scharen.

Von Vasilije Mustur
am 09.04.2013

Truppenbewegungen, mutmassliche Vorbereitungen für einen Atomtest, Schliessung der Grenzen und Kampfrhetorik: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un lässt derzeit keine Gelegenheit aus, um der Welt mit einem Krieg zu drohen. 

Das wiederum treibt der westlichen Welt und insbesondere dem US-Präsidenten Barack Obama die Sorgenfalten ins Gesicht. Allerdings seien diese Sorgen nicht unbedingt berechtigt, findet Rüdiger Frank. «Der nordkoreanische Machthaber wird als Hardliner dargestellt, doch ich sehe ihn vor allem als potentiellen Wirtschaftsreformer», erklärt der Ostasienwissenschaftler an der Universität Wien im Gespräch mit handelszeitung.ch. 

Wirtschaftliche Aufhellungen

Schliesslich seien im kommunistischen Land klare wirtschaftliche Aufhellungen erkennbar, begründet der Nordkorea-Experte und Professor seine Haltung. So hätte das Regime seit Ende Februar neben dem Mobilfunknetz jetzt auch mobiles Internet implementiert - «zumindest für Ausländer», sagt Frank. Darüber hinaus seien Joint-Ventures mit dem letzten politischen Verbündeten China ausgeweitet worden, und in der Automobilbranche übernehme man das Ruder bei Pyonghwa Motors.

Suche nach Rückhalt

Die Folge: Durch die vorsichtigen Marktliberalisierungen im Inland beginne sich in Nordkorea allmählich eine Mittelschicht zu bilden. Angesichts möglicher Wirtschaftsreformen wie etwa in China unter dem neuen Machthaber Deng Xiaoping ist für den Professor an der Universität Wien deshalb klar: «Wenn Kim Jong-un seine Wirtschaftsreformen durchsetzen und ausbauen will, benötigt er genügend Rückhalt der Elite in Partei, Militär und Staatsapparat.»

Aus diesem Grund versuche der junge Diktator mit dem Säbelrasseln gegenüber Südkorea und den USA sich Respekt innerhalb der nordkoreanischen Führung und Bevölkerung zu verschaffen. «Mit Erfolg», sagt Frank. «Die Drohungen haben dazu geführt, dass Nordkorea von der Welt ernster genommen wird.» Und weiter: «Kim Jong Un hat sich den USA und den eigenen Reihen gegenüber Respekt verschafft, wenngleich mit zweifelhaften Mitteln.»

Aus dieser Stärke heraus sei es möglich, dass Kim Jong-un mit Unterstützung des Auslandes Reformen vorantreiben werde, sobald sich der Staub über der Krise gelegt habe. Dazu zählt Frank Teilprivatisierungen in Industrie und Landwirtschaft in Nordkorea, wenngleich bei weiterhin starkem Staat.

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