Der Bundesrat ändert das System zur Festsetzung der Medikamentenpreise. Ab Juni hat der Vergleich mit den Preisen im Ausland mehr Gewicht als der Vergleich mit ähnlichen Arzneimitteln. Bisher war das Verhältnis nicht geregelt.

Neu wird der Auslandpreisvergleich zu zwei Dritteln und der sogenannte therapeutische Quervergleich zu einem Drittel gewichtet. Beim therapeutischen Quervergleich wird ein Medikament mit anderen Produkten verglichen, die eine ähnliche Wirkung haben.

Kritik seitens der Pharmabranche

Das neue Preisfestsetzungssystem hatte der Bundesrat im vergangenen Juni in die Vernehmlassung geschickt. Besonders vonseiten der Pharmabranche gab es Kritik. Aus deren Sicht müsste der therapeutische Quervergleich stärker gewichtet werden, die Preise im Ausland liessen sich nicht einfach auf die Schweiz anwenden.

Die nun vom Bundesrat festgelegte Gewichtung akzeptiert der Branchenverband Interpharma «zähneknirschend», wie er am Mittwoch mitteilte. In den Augen des Verbandes wäre es angebracht gewesen, die beiden Kriterien genau gleich stark zu gewichten.

Berset: «Ein Mittelweg»

Gesundheitsminister Alain Berset bezeichnete den Beschluss des Bundesrates vor den Medien als «Mittelweg», bei der man der Pharmabranche in einzelnen Punkten durchaus entgegenkommen sei. So darf der festgesetzte Preis den durchschnittlichen Auslandpreis neu um bis zu fünf Prozent überschreiten. Die Wirkung der Verordnungsänderungen auf die Medikamentenpreise lasse sich nur schwer abschätzen, sagte Berset. Die Änderungen brächten aber «eine Verbesserung des bisherigen Verfahrens und mehr Transparenz».

Anzeige

So gibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Zukunft die Grundlagen bekannt, nach denen es den Preis eines kassenpflichtigen Medikamentes festgesetzt hat. Zudem wird das Bundesamt künftig darüber informieren, welche Medikamente von einem Beschwerdeverfahren betroffen sind. In den vergangenen Jahren hatten sich die Pharmaunternehmen in zahlreichen Fällen mit Rekursen gegen die vom Bund angeordneten Preissenkungen gewehrt.

Länderkorb erweitert

Ein weiterer Entscheid des Bundesrats betrifft den Länderkorb für den Auslandpreisvergleich: Wie in der Vernehmlassungsvorlage vorgesehen berücksichtigt das BAG ab Juni neu die Preise in Belgien, Finnland und Schweden. Sie ergänzen die bisherigen Referenzländer Dänemark, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Österreich und die Niederlanden.

Damit sei der Auslandpreisvergleich «breiter abgestützt», sagte Berset. Die drei Länder liessen sich mit der Schweiz vergleichen. Anders sieht dies Interpharma: Belgien, Finnland und Schweden seien im Pharmabereich wirtschaftlich kaum mit der Schweiz vergleichbar und würden das Preisniveau «weiter drücken».

Weiterhin periodische Überprüfung

An der 2012 eingeführten periodischen Überprüfung der Arzneimittelpreise hält der Bundesrat fest. Das BAG überprüft dabei jeweils einen Drittel aller kassenpflichtigen Medikamente und verordnet wo nötig Preissenkungen.

Erweist sich bei der periodischen Überprüfung ein Preis als zu hoch, werden für die Ermittlung der Preissenkung künftig auch hier die Referenzländer zu zwei Dritteln gewichtet. Der bisherige Fabrikabgabepreis wird zu einem Drittel gewichtet. Dafür wird die bisherige Toleranzmarge abgeschafft, mit der Wechselkursschwankungen berücksichtigt wurden.

Anzeige

2015: Keine Preissenkungsrunde

Wegen des Systemwechsels fällt die diesjährige Preissenkungsrunde allerdings aus, sie wird erst im Januar 2016 durchgeführt. Gemäss Berset hat dies nur marginale Auswirkungen auf die Medikamentenpreise in der Schweiz, da zwischen 2012 und 2014 alle Medikamente auf der Spezialitätenliste überprüft worden seien – zudem hätte der massgebende Wechselkurs für die Überprüfung bei 1,20 Franken pro Euro gelegen. Der Bund rechnet bei der Überprüfung nicht mit dem aktuellen Wechselkurs, sondern mit einem Durchschnittswert für zwölf Monate.

Preisüberwacher Stefan Meierhans hatte jüngst eine jährliche Überprüfung sämtlicher Medikamente gefordert. So könnten allfällige Währungsgewinne für alle Mittel weitergegeben werden. BAG-Direktor Pascal Strupler begründete das Festhalten am bisherigen System mit dem administrativen Aufwand, der mit der zeitgleichen Überprüfung aller Medikamente verbunden wäre. Ausserdem sollten sich Wechselkursschwankungen nicht auf alle Medikamente auswirken.

Generika immer noch teurer

Die bisherigen angeordneten Preissenkungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Originalprodukte waren 2014 in der Schweiz kaum noch teurer als im Ausland. Ein anderers Bild zeigt sich bei den Nachahmerprodukten: «Generika kosten in der Schweiz bis zu 50 Prozent mehr als im Ausland», sagte Berset.

Wie bereits angekündigt, will der Bundesrat für Generika deshalb ein Referenzpreissystem einführen. Künftig soll für einen bestimmten Wirkstoff ein maximaler Preis festgelegt werden. Das Innendepartement von Berset soll bis Ende Jahr eine Vorlage ausarbeiten.

(sda/ise)

Anzeige