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Budgetstreit
«Die Schweiz setzt sich Klumpenrisiko aus»

Hans Kaufmann (SVP): «Für die Schweiz besteht Handlungsbedarf»

Die Schweiz ist einer der weltweit grössten Gläubiger der US-Regierung. Nationalrat Hans Kaufmann macht das angesichts des Shutdowns in den USA Sorgen. Er sieht akuten Handlungsbedarf.

Von Mathias Ohanian
am 01.10.2013

Angesichts des ausufernden Budgetstreits in den USA fordert Finanzpolitiker Hans Kaufmann von der Schweizer Politik und Notenbank ein wirtschaftspolitisches Umdenken. «Die Schweiz sollte ihre Forderungen gegenüber der grössten Volkswirtschaft der Welt wegen der politischen Unsicherheit dort nach und nach abbauen», sagte er im Gespräch mit handelszeitung.ch. Und meint damit die USA.

Seiner Auflistung zufolge hielt die Schweiz zuletzt Anleihen der Vereinigten Staaten von insgesamt knapp 180 Milliarden Dollar. Als ein grosser Gläubiger gilt die Schweizerische Nationalbank (SNB). «Damit ist die Schweiz als Land der sechstgrösste Gläubiger der US-Regierung», so SVP-Mann Kaufmann. «Sie setzt sich damit einem enormen Klumpenrisiko aus.»

«Für die Schweiz besteht Handlungsbedarf»

Das Problem: Heute wird knapp die Hälfte der amerikanischen Staatsschulden im Ausland gehalten. Sollte die weltweite Nachfrage einmal abebben, hätte das steigende Zinsen und gleichzeitig sinkende Kurse zur Folge – die gehaltenen Anleihen würden also an Wert verlieren.

 

Das könnte dann der Fall sein, wenn Ratingagenturen wegen der schwelenden politischen Probleme zunehmend an der Kreditwürdigkeit der US-Regierung zweifeln und zudem die Bonität senken. Institutionelle Anleger wie Versicherungen, Banken oder Pensionskassen könnten dann stärker Abstand von Investitionen in US-Anleihen nehmen, befürchtet Kaufmann.

«Sollte die US-Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, müssten die grossen Ratingagenturen eigentlich handeln und die Bonität der USA auf Junk setzen», sagt der SVP-Finanzexperte. «Ungeachtet aber, ob es so kommt: Für die Schweiz besteht Handlungsbedarf.»

Noch halten die Ratingagenturen still

In einer Mitteilung gab die Ratingagentur Fitch in London am Dienstagnachmittag bekannt, dass der fiskalische Stillstand selbst zwar kein Grund für eine Herabstufung der Bonität darstelle. Allerdings untergrabe der Shutdown das Vertrauen in den Prozess der Finanzplanung. Zudem schwinde das Vertrauen, dass Washington die Schuldenobergrenze rechtzeitig anheben wird, um das Risiko eines Aufalls von US-Staatsobligationen zu vermeiden. Nach offiziellen Angaben des US-Finanzministerium könnte der US-Regierung am 17. Oktober das Geld ausgehen.

Dieses heute noch eher unwahrscheinliche Szenario käme einer technischen Staatspleite gleich: Spätestens dann würden die US-Ratingagenturen durchaus den Daumen über die USA senken.

Kaufmann plädiert für strategischen Staatsfonds

Als Alternative plädiert Kaufmann für einen schweizerischen Staatsfonds, wie er  bereits seit einiger Zeit diskutiert wird. Dieser könnte im Ausland strategische Investitionen tätigen. Als Vorbild könnte der norwegische Staatsfonds dienen, sagte Kaufmann. Als Investitionsmöglichkeiten nannte der frühere Chefökonom der Privatbank Julius Bär etwa den Bereich Rohstoffe, um die Schweizer Nachfrage zu sichern - und die Telekommunikation. 

Gleichzeitig kritisierte Kaufmann, dass die Schweiz heute auch der grösste Gläubiger Deutschlands sei. Demnach hielte die SNB rund 8 bis 9 Prozent aller deutscher Bundesanleihen. «Auch diese Entwicklung betrachte ich mit Sorge», sagte Kaufmann.

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