Mehr als acht Monate sind vergangen seit der Annahme der Zuwanderungs-Initiative am 9. Februar 2014. Und noch immer ist unklar, wie es weitergehen soll. Die Zivilgesellschaft ist gespalten.

Es wird gerungen um die Frage, wie weit die Schweiz in ihren Abschottungsbestrebungen gehen soll. Auf der einen Seite steht der harte Flügel der SVP, bestehend aus Auns-Politkern und ihrer Gefolgschaft.

Zivilgesellschaft formiert sich

Auf der anderen Seite formieren sich neue zivilgesellschaftliche Bewegungen: Anfang dieser Woche verkündeten junge Akademiker, dass sie Politiker in der Schweiz mit einer neuen Internetbewegung wachrütteln wollen. Die Gruppierung «Operation Libero» fordert, nach der Abstimmung vom 9. Februar nach vorne zu blicken und sich etwa auch einem EU-Beitritt nicht zu verschliessen.

Zeitgleich richtete sich eine Gruppe «besorgter Bürgerinnen und Bürger» mit einem Appell an die Schweiz. Über 100 Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur stemmen sich gegen die Isolation, darunter auch Alt-Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth und Alt-Bundesrichter Giusep Nay. Sie fordern eine Debatte über die Beziehungen mit der Europäischen Union. Inzwischen haben bereits 800 Personen den Aufruf unterzeichnet.

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Neues Komitte aus der Wissenschaft

Nun hat sich auch in der Wissenschaft ein Komitee gebildet, das sich nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative in die politische Diskussion einmischen will. Um den Zürcher Neurowissenschafter Adriano Aguzzi gruppiert sich die Aktion «Forschung in einer weltoffenen Schweiz», wie die «NZZ am Sonntag»berichtet.

Sie richtet sich gegen politische Abschottungstendenzen. Vor der Abstimmung zur SVP-Initiative war die Wissenschaft in der Diskussion kaum zu vernehmen. Das soll sich mit der Aktion ändern: «Wir wollen aufzeigen, wie international vernetzt wir sind, wie stark die jungen Forscher im globalen Wettbewerb stehen und auf weltweiten Austausch angewiesen sind», sagt Aguzzi.

Nobelpreisträger gegen Abschottung

So ist die Gründung von Aktionsgruppen geplant, bestehend aus dem akademischen Mittelbau, der mit vielfältigen Aktionen die Anliegen des Forschungsplatzes in den öffentlichen Diskurs einbringen soll. Hinzu kommt ein Patronatskomitee mit renommierten Forschern, das sich zurzeit formiert.

Laut Aguzzi sind bereits vier Nobelpreisträger beigetreten: die Chemiker Richard Ernst und Kurt Wüthrich, der Mediziner Rolf M. Zinkernagel und der am IBM-Forschungslabor Rüschlikon tätige Physiker Georg Bednorz. Ebenfalls dabei sind die Spitzen der ETH in Zürich und Lausanne, Lino Guzzella und Patrick Aebischer.

(ise)