Inmitten wieder aufflammender Kämpfe im Osten der Ukraine hat Kiew Gesandte mit der Bitte um Unterstützung nach Brüssel geschickt. Aussenminister Pawlo Klimkin reiste am Mittwoch zum Antrittsbesuch beim neuen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Gleichzeitig sollte Vize-Regierungschef Wolodymyr Grossman Gespräche mit der EU-Kommission führen. Klimkin erklärte, Grossman werde sich bei der EU-Kommission um Hilfe für die Bewohner im umkämpften Osten des Landes bemühen.

Zivilisten aus der Konfliktzone bringen

Zudem werde er einen Plan vorstellen, die betroffenen Zivilisten aus der Konfliktzone in Sicherheit zu bringen. Deutschland hat bereits einen Hilfskonvoi in die Ukraine entsandt, um vor Einbruch des Winters dringend benötigte Güter für die hunderttausenden Flüchtlinge aus der Ostukraine zu liefern.

Die ukrainische Zentralbankchefin Valeria Gontorewa will unterdessen laut der Regierung in Kiew zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington reisen, um dort um die beschleunigte Auszahlung oder Aufstockung eines Hilfskredits von 17,1 Milliarden Dollar zu bitten.

IWF soll sein Programm anpassen

Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte dem Kabinett, Gontorewa werde den IWF auffordern, «sein Programm zu ändern, um die aktuellen Realitäten zu berücksichtigen».

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Die Europabeauftragte im US-Aussenministerium, Victoria Nuland, sagte derweil beim Besuch eines Stützpunkts der ukrainischen Grenzschützer zusätzliche zehn Millionen Dollar für Schutzausrüstung zu.

Brüchige Waffenruhe

Die ukrainischen Streitkräfte haben bei den monatelangen Kämpfen im Osten schwere Verluste an Soldaten und Ausrüstung erlitten. Zwar gilt seit dem 5. September offiziell eine Waffenruhe, doch werden dennoch fast täglich Gefechte aus den Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk gemeldet.

Die UNO-Menschenrechtskommission erklärte am Mittwoch, zwischen dem 6. September und dem 6. Oktober seien mindestens 331 Menschen getötet worden. Insgesamt habe es seit Beginn des Konflikts im April mindestens 3660 Tote und 8756 Verletzte geben, rund 376'000 Menschen seien in die Flucht getrieben worden.

(sda/gku/ama)