Wenige Tage nach der Entspannung in einem schweren Konflikt zwischen Nord- und Südkorea haben Truppenverbände der USA und Südkoreas das grösste jemals abgehaltene gemeinsame Militärmanöver gestartet. Die Übung nahe der Grenzstadt Pocheon fand am Freitag im Beisein von 2000 Gästen statt, darunter die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye.

Das Manöver sehe mehrere Phasen vor, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium mit. Dabei werde eine nordkoreanische «Provokation» simuliert, der eine Eskalation der militärischen Auseinandersetzung mit einem Gegenangriff bis auf nordkoreanisches Gebiet folge.

3000 Soldaten beteiligt

«Was Munition und eingesetztes Personal anbelangt, ist dies das grösste Militärmanöver unter realen Bedingungen, das südkoreanische Truppen jemals allein oder zusammen mit US-Truppen ausgeführt haben», sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Beteiligt waren demnach 3000 Soldaten aus den USA und Südkorea, rund hundert Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 45 Helikopter und mehr als 40 Kampfjets.

Der Konflikt zwischen den beiden koreanischen Staaten hatte sich zuletzt dramatisch zugespitzt, nachdem bei der Explosion einer Landmine in der Grenzregion zwei Mitglieder einer südkoreanischen Patrouille schwer verletzt worden waren. Seoul machte Pjöngjang für den Vorfall verantwortlich und verlangte eine Entschuldigung. Nordkorea wiederum setzte dem Süden eine Frist, um die Beschallung mit Propaganda einzustellen, die Seoul nach mehr als zehnjähriger Pause wieder aufgenommen hatte.

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Propaganda-Beschallung abgeschaltet

In Marathonverhandlungen wendeten beide Seiten schliesslich eine militärische Konfrontation ab, was am Dienstag besiegelt wurde. Die Propaganda-Beschallung, die ursprünglich auch in das gemeinsame Manöver der USA und Südkoreas integriert werden sollte, wurde daraufhin abgeschaltet.

Zu den Vereinbarungen gehören auch Treffen von Familien, die seit Jahrzehnten durch die Grenze getrennt sind. Seit dem Ende des Korea-Krieges 1950 bis 1953 sind beide Staaten formell noch im Kriegszustand. Die US-Streitkräfte haben seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 dauerhaft fast 30'000 Soldaten in Südkorea stationiert.

Kim Jong Un äussert sich positiv

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat äusserte sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA positiv zur jüngst getroffenen Vereinbarung mit dem Süden. Diese sei ein Meilenstein und könne den Weg für eine Entschärfung der militärischen Spannungen ebnen, sagte er.

Möglich geworden sei dies jedoch nur durch die Stärke der Streitkräfte und die Abschreckungswirkung der atomaren Landesverteidigung, liess sich der Machthaber am Freitag weiter zitieren.

(sda/gku)