Amazon, Nike,  Johnson & Johnson, Groupon, Gucci, Seven-Up: Eine neue App listet 250 Firmen, Marken, Produkte oder Organisationen auf, die direkt oder indirekt mit dem künftigen US-Präsidenten in Verbindung stehen – und empfiehlt, sie zu boykottieren. Die Entwickler von «Boycott Trump» wollen den bisherigen Geschäftsmann, Millionär und Immobilienunternehmer Donald Trump an seiner sensibelsten Stelle treffen: seinem Portemonnaie.

«Wir alle wissen, wie Trump Towers und Trump Steaks mit Trump zusammenhängen», so die Entwickler der App. Auch die «Kushner Properties» werden aufgelistet, das Immobilengeschäft von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Bande zu Trump nicht immer eng

«Sorgen Sie dafür, dass Trump und seine Verbündeten im wahrsten Sinne des Wortes zahlen müssen für ihre hasserfüllte Rhetorik und ihre rückschrittliche Politik», heisst es in der Beschreibung der App im Google-Store. Auch im iTunes-Store ist die kostenlose App seit dem 22. November erhältlich, denn Apple selbst ist nicht unter den Boykott-Tipps.

Doch bei den meisten der aufgelisteten 250 Firmen ist eben nicht immer auf den ersten Blick klar, inwiefern sie mit Trumps gigantischem Imperium zusammenhängen. Einige Beispiele der Boykott-Empfehlungen: Der Internet-Gigant Amazon und die US-Modekette «Belk» vertreiben unter anderem Produkte aus der Kollektion von Ivanka Trump. Die älteste Tochter Trumps entwirft neben Handtaschen auch Schmuck und hat mehrere Bücher geschrieben. Auch von ihrem Vater sind mehrere Bücher erhältlich.

Die Biermarke «Coors» ist auch Tabu

Ausserdem ist die Football-Mannschaft der «Buffalo Bills» unter den Aufgelisteten. Der Trainer der Mannschaft, Rex Ryan, ist nämlich ein stolzer Unterstützer des umstrittenen Republikaners. Und auch der amerikanische Bierhersteller «Coors» wird als Tabu genannt, da auch hier die Geschäftsleitung als Pro-Trump gilt.

«Wir akzeptieren, dass Trump die Wahl gewonnen hat», erzählte der Geschäftsführer der «Democratic Coalition Against Trump», die hinter der App steht, der «Huffington Post». «Aber das bedeutet nicht, dass wir alles hinnehmen, für das er steht.» Und obwohl die App ein eher reduziertes Design hat, sind die ersten Kunden begeistert und verleihen in den Bewertungen Bestnoten. «Die App ist eine grossartige Idee», schreibt so ein Kunde im iTunes-Store. «Die Liste ist deprimierend. Die genannten Firmen sind nahezu alles, was die Amerikaner gerne kaufen: 7-Up, Dr Pepper, Bristol Meyers (US-Pharmaunternehmen).»

200'000 Unterstützer

In der Suche können App-User die gewünschten Marken eingeben und erfahren sofort, ob sie boykottiert werden sollten. Ein anderer User schreibt: «Man kann sich ganz einfach gut dabei fühlen und ein Zeichen setzen, das zählt! Man muss einfach vor dem Kauf kurz in der App nachschauen.» «Nutzen Sie die Macht des Kunden, um dafür einzustehen, was richtig ist!», so das Credo der «Democratic Coalition Against Trump». Die Webseite der Organisation mit rund 200’000 Unterstützern lautet www.keepamericagreat.us, eine Anspielung auf Trumps Wahlkampf-Slogan «Make Amerika great again».

Gefallen dürfte die App dem President-elect dennoch ganz und gar nicht. «Schon vor der Wahl war sehr wohl bekannt, dass ich Interessen und Eigentum auf der ganzen Welt habe. Nur die betrügerischen Medien machen daraus eine grosse Sache!», twitterte Trump erst in der vergangenen Woche – einen Tag, ehe die App lanciert wurde.

Dieser Artikel ist zuerst auf unserer Schwester-Publikation «Die Welt» unter dem Titel «Wer Donald Trump nicht mag, braucht diese App» erschienen.

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