Die staatliche Mediapulse AG ist für die Ermittlung der TV-Quoten zuständig - dabei läuft seit Wochen einiges schief, immer wieder kommt es zu Verzögerungen. Eine Mediapulse-Präsentation, die «Handelszeitung Online» vorliegt, zeigt die Ereignisse und Probleme im Detail:


Chronologie Dezember/Januar

Dezember:

17. Dezember: Anpassung von Sendern beim Kabelanbieter der Hauptaufzeichnungsstation (infolge SRF Rebranding). Dann löst der Kabelanbieter einen Sendersuchlauf aus. Ca. 400 SetTopBoxen stehen anschliessend auf Kanal 1, alle Einstellungen der Boxen sind zurückgesetzt. Für das Audio Matching werden die Backup-Daten verwendet, aber das Neuprogrammieren der Boxen dauert fasrt einen Tag.

23. Dezember: Fehlmanipulation im Rechenzentrum: Durch eine Fehlmanipulation fliesst nicht mehr die gesamte «Vergangenheit» in das Matching ein. Statt «zeitversetzte» ergab dies «nicht erkannte» Nutzung. Der Anteil nicht erkannter Nutzung steigt über Tage langsam an, kann aber durch die zurückgestellte Datenlieferung vom 28.-31. Dezember nicht erkannt werden.

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Januar:

2. Januar: Kantar stellt termingerecht den 1. Januar zur Verfügung. Hauptaugenmerk der Publica Data liegt auf Softwareinstallationen und Kundensupport. Mediapulse sichtet die Daten mit Hauptaugenmerk auf dem «Neujahrskonzert», das keinen Anlass zur Sorge gibt, hingegen fällt nun der hohe Anteil an nicht erkannter Nutzung auf. Sofortmassnahme: .berprüfung angeordnet, direkte Freigabe durch Kantar gestoppt. Fehlersuche fördert die Fehlmanipulation im Rechenzentrum zu Tage. Die Daten werden neu gerechnet. Die beiden Folgetage weisen keine grossen Auffälligkeiten aus, hingegen sind einige Nutzungen tief, was für die ersten Januartage aber noch nicht alarmierend sein muss.

7. Januar: Kantar prüft den 3.-6. Januar, stellt in den Ergebnissen eine Senderfehlzuordnung fest und korrigiert diese. Sie stellt Mediapulse beide Datensätze zur Verfügung. Mediapulse vergleicht die Datensätze und entdeckt Differenzen bei Sendern, die von der Fehlerkorrektur nicht betroffen sind. Mediapulse verfügt am 7.1. Datenstopp und Überprüfung aller Prozesse. Zwischen 9. und 11. Januar sind auch Spezialisten aus London in der Schweiz und unterstützen diese Checks.

Aufgrund der am 11. und 14. Januar präsentierten Prüfungs-Ergebnisse legt Mediapulse am 15.1. die Mindestanforderungen

für die Datenfreigabe fest:

1. Werbepausen in den Fensterprogrammen werden einwandfrei zugeordnet

2. Gewichtung ist um Ebene KG erweitert

3. Zuordnung aller Streams zu Sendern geprüft

4. Aufzeichnungslücken identifiziert und wenn möglich behoben (für Re-Run)

5. Alle im CH-Markt aktiven Sender haben ein Backup ODER eine permanente Überwachung

6. Alle STB in den Aufzeichnungszentren sind mit Stereo-Mono-Converter ausgerüstet.

Nach intensiver Arbeit präsentiert sich die Lage am Abend des 17. Januar wie folgt:

• sind die Punkte 3-6 weitgehend gelöst oder vorbereitet

• liegen für Punkt 2 erste Testläufe vor

• ist für Punkt 1 das Problem identifiziert:

Die Verzögerungen zwischen den einzelnen Splits der Fenster-Sender sind grösser als vermutet. Die nicht-konstante Verzögerung erschwert das Erkennen eines Simulcasting zusätzlich. Kantar plant, ein bereits vorhandenes Software-Modul zu adaptieren und so das Simulcasting bei den Fenster-Sendern bereits während der Aufzeichnung besser zu erkennen. Damit würden sowohl Werbeschaltungen als auch die Programme besser zugeordnet.

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Kantar adaptiert das Software-Modul Modul, dieses wird in wiederholten Tests geprüft und optimiert. Die nun massiv grössereDatenmenge führt zu verlängerten Rechenzeiten und zu einem vorübergehenden Rechenstillstand, da der Job mitten in der Nacht ein festgelegtes Timeout überschreitet und gestoppt wird. Die regionale Gewichtung wird wiederholt getestet und optimiert.

Freitag, 25. Januar: Die Mindestanforderungen zur Datenfreigabe werden von Mediapulse als erreicht bewertet, die Neuberechnungder Januartage angeordnet. Die Ergebnisse sämtlicher Kontrollen, die verbesserte Gewichtung und die Lösung zur besseren Trennung der Splits fliessen in die Neuberechnung ein.

Aktueller Stand:

• Aktuell sind 2'117 Haushalte installiert, davon liefern täglich 1‘985 Haushalte gültige Daten (gegenüber dem vertraglichen Soll von 1'870). Das Panel erfüllt seine Sollgrösse.

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• Die Gewichtungskennzahlen sind sehr gut. Die Zellen konvergieren zwischen 99.5% und 100.2%. Das Panel ist ausbalanciert.

• Aufzeichnung: 374 Audio Streams (je mindestens 1 Haupt- und 1 Backup-Aufzeichnung) für 298 TV-Sender, dazu 80 Radiostationen. Ausstehend sind noch das Arolfinger Lokalfernsehen, das Backup (Zweitaufzeichnung) einiger Sender und ca. 30 Radio-Sender.

Aktueller Stand:

• Die Zahlen im Dezember sind bezüglich des Gesamtmediums und im Verlauf (Woche/Wochenende) plausibel und verlaufen parallelzum GfK-Panel.

• Die Anteile an zeitversetzter Nutzung und Web-Nutzung liegen in den erwarteten Grössenordnungen.

• Bis heute Mittag liegen … nachgerechnete Januar-Tage vor.

Fazit:

Das Panel steht und liefert zuverlässig Daten. Die aufgetretenen Fehler wurden grösstenteils rasch erkannt. Dass sie aufgetreten sind, dafür entschuldigen wir uns und bedauern das sehr!

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