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Dieser Mann soll Trump ins rechte Licht rücken

Dieser Mann soll Trump ins rechte Licht rücken
Anthony Scaramucci: Er soll den mächtigsten Mann der Welt vermarkten. Keystone

Anthony Scaramucci ist ein schillernder Wall-Street-Akteur. Er gehört zum Berater-Stab von Donald Trump. Sein Job: Den mächtigsten Mann der Welt vermarkten.

Von Olaf Gersemann und Holger Zschäpitz («Die Welt»)
2017-01-18

Normalerweise bekommen Verkäufer-Typen keine grosse Bühne in Davos. Bei Anthony Scaramucci ist das anders. Der regelmässige Besucher des Weltwirtschaftsforums, der selbst eine glamouröse Version des WEF in Las Vegas veranstaltet, wurde vor Kurzem von Donald Trump als Berater ins Team geholt.

Und da der neue Präsident ostentativ Davos meiden wollte, um kein falsches Signal an die frisch geschmiedete populistische Bewegung zu senden, steht Scaramucci plötzlich im Rampenlicht und bekam von den Davos-Machern sogar ein Einzelinterview vor grossem Publikum – und war ganz in seinem Element.

Chefverkäufer Trumps

Nämlich, den designierten US-Präsidenten einem Publikum zu verkaufen, das eher weniger vom ehemaligen Immobilienmogul und TV-Unterhalter hält. Um aber auch klar zu machen, dass es Trump ernst meint. Das wird auch wohl seine Aufgabe ab Freitag sein. Mit Trumps Inauguration nämlich soll er dem Vernehmen nach «Director of the Office of Public Liaison and Intergovernmental Affairs» werden – eine Art Chefverkäufer Trumps.

«Trump könnte die letzte grosse Hoffnung für die Globalisierung sein», provoziert Scaramucci gleich zu Beginn in Davos. Und: «Trump ist der am wenigsten rassistische Mensch, den ich jemals getroffen habe. Er liebt Menschen.»

Trump als Arbeiterversteher

Scaramucci erzählt seine Geschichte, wie er auch emotional zu Trump gefunden hat. Es war im vergangenen Jahr, mitten im Wahlkampf. Da musste er erleben, wie sehr er sich von den gewöhnlichen Menschen entfernt hatte. «Leute haben mir gesagt, ein Werk wurde hier einfach geschlossen. Ich bin durch die Menschenmenge gegangen und plötzlich habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr mit den Menschen in Kontakt war, mit denen ich aufgewachsen war.»

Doch genau diese Gabe habe Trump. Obwohl er mitten in New York nicht eben ärmlich residiere, wisse er, wo den kleinen Leuten der Schuh drückt und wie er ihnen helfen könne. Den Arbeitern. Der Mittelschicht.

«Wir wollen keinen Handelskrieg»

Und mit den kleinen Leuten erklärt er auch, warum Trump die Globalisierung retten könnte. Amerika hat in den vergangenen Jahren jede Menge Handelsabkommen geschlossen, die den Partnern unbegrenzten Zugang zum US-Markt verschafft hat, Amerika jedoch benachteiligt.

«Wir wollen keinen Handelskrieg. Alles, was wir wollen, ist mehr Symmetrie in unseren Handelsabkommen.» Aus Millionen von amerikanischen Arbeitern seien binnen weniger Jahre arbeitende Arme geworden. «Wenn die Chinesen wirklich an den Globalismus glauben, kommen sie zu uns und schaffen mehr Symmetrie in den Handelsverträgen.» Wenn die Gewinne und Kosten der Globalisierung gerechter verteilt würden, könnte das letztlich gut sein für eine offene Weltwirtschaft, sagte Scaramucci.

Vor zwei Jahren sprach er noch anders

Es ist nicht allzu lange her, da vertrat Scaramucci noch andere Thesen. Beim Weltwirtschaftsforum vor zwei Jahren zum Beispiel sagte er im Gespräch mit der «Welt»: «Keiner redet über den Elefanten im Raum: die zwei Billionen Dollar, die die S&P-500-Firmen horten. Irgendwann werde dieses Geld investiert werden, und das schiere Volumen wird am Ende das Wirtschaftswachstum antreiben, in den USA und auch darüber hinaus. Beim Wachstum könnten wir positiv überrascht werden.» Davon werde dann auch die breite Bevölkerung profitieren. Von Handelsverträgen, die Amerika angeblich übervorteilen, war damals noch nicht die Rede.

Seine Familie profitiert selbst von der Globalisierung. Scaramucci hat seine Eltern, die aus einfachen Verhältnissen stammen, finanziell unterstützt. «Heute fahren sie Mercedes.»

Schillernde Figur

Scaramucci, der an der Wall Street nur unter «The Mooch» firmiert, gehört zu den schillernden Figuren der Finanz-Szene, der selbst grosse Misserfolge perfekt vermarkten kann. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker, der laut Wall Street Journal die Immobiliensparte der Investmentbank einst dezimierte, wurde nur deshalb nicht gefeuert, weil er in einer anderen Sparte Aktien an Kunden verkauft hat. Später gründete er ein eigenes Hedgefonds-Business, Skybridge Capital, das nicht übermässig erfolgreich verlief. Als Citigroup seine Hedgefonds verkaufte, griff er zu.

In der Finanzkrise ergriff er eine weitere Chance. Als sich 2009 die Banken aus dem glamourösen Konferenz-Business zurückzogen, gründete er die SALT-Konferenz in Las Vegas, bei der Politstars, Superreiche und Hedgefondsmanager Deals machen. Mit Trump hat er nun einen weiteren cleveren Schachzug gemacht.

«Hey, ihr müsst noch euren Beitrag zahlen»

Und er ist in Davos der Medien-Star, stets umringt von Neugierigen, die wissen wollen, wie die Trump-Administration tickt. Etwa in Sachen Nato. Da kann Scaramucci seinem Chef nur beipflichten. Die Verteidigungsorganisation bedürfe einer Revision. Sie wurde gegründet als Bollwerk gegen den Kommunismus. Inzwischen existiere keine Sowjetunion mehr, nur noch Einzelstaaten.

Russland sei Teil der G8, und der Feind heisse eher islamistischer Terror. Er könne ja nach der europäischen Geschichte verstehen, warum insbesondere der Alte Kontinent die Allianz behalten wolle. Und es gehe nicht darum, die Nato abzuschaffen. Sondern in erster Linie darum, die Partner Amerikas stärker zur Kasse zu bitten. Und daran sei nichts auszusetzen. «Trump ist ein Immobilienentwickler. Er wird demnächst rumgehen und sagen ‹Hey, ihr müsst noch euren Beitrag zahlen›.» Als steuerzahlender Amerikaner sei er auch ziemlich froh darüber.

«Eine historische Rede»

An die Rede zur Amtseinführung Trumps am Freitag knüpft Scaramucci grosse Hoffnungen. «Ich erwarte eine historische Rede. Ich weiss, dass sie sehr reaganesk sein wird.»

Die Rede von Ronald Reagan zu seiner ersten Inauguration im Januar 1981 ist in der Tat legendär. Amerika steckte damals in einer Krise aus hoher Inflation, wachsender Arbeitslosigkeit und nagenden Selbstzweifeln. «Es ist an der Zeit, dass wir uns klarmachen, wir sind eine zu grossartige Nation, als dass wir uns auf kleine Träume beschränken sollten», sagte Reagan damals. Und fügt hinzu: «In der gegenwärtigen Krise ist der Staat nicht die Lösung unseres Problems. Der Staat ist das Problem.»

Trump als Reagan?

Dieser Optimismus, den der neue Präsident ausstrahlte, diese Zuversicht, die Amerikaner würden sich selbst aus ihren Schwierigkeiten befreien, ganz ohne staatliche Interventionen, ganz ohne andere Länder oder dunkle Kräfte verantwortlich zu machen: das war wirklich typisch Reagan.

Trumps Botschaft war in ihrem Kern bisher das Gegenteil. Aber vielleicht hört man ja am Freitag einen ganz neuen Trump. Wenn denn Scaramucci recht behält.

Dieser Text erschien zuerst bei «welt.de» unter dem Titel: «Der kuriose Chefverkäufer der Trump-Regierung».

 

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