Als Reaktion auf die anhaltenden Massenproteste in ihrem Land hat Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff einen "grossen Pakt" zur Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen angekündigt. Ausserdem müsse viel mehr gegen die Korruption unternommen werden, sagte sie.

Es solle ein Plan zu Verbesserung des öffentlichen Transportwesens entwickelt, mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden, sagte die Staatschefin am Freitagabend in einer landesweit übertragenen TV-Ansprache.

Gewalt verurteilt

Rousseff würdigte die friedlichen Proteste im Land, verurteilte aber die Gewalt und die Randale einer Minderheit, die versuchten, Chaos in die Städte zu tragen. Diese Ausschreitungen könne die Regierung nicht akzeptieren.

Die friedlichen Proteste zeigten hingegen "die Kraft unserer Demokratie und den Wunsch der Jugend, dass Brasilien vorankommt". Zur Bekämpfung der Korruption sei vor allem Transparenz wichtig. Rousseff kündigte an, für den Pakt, Gouverneure, Bürgermeister und die Anführer der friedlichen Protestgruppen zusammenzurufen.

Zugleich verwies sie auf die Chance der Fussball-WM 2014. Brasilien sei fünffacher Weltmeister und immer gut empfangen worden. Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen grosszügigen Empfang bereiten: "Respekt, Warmherzigkeit und Freude - so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine grossartige WM ausrichten."

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Dringlichkeitssitzung nach Massenprotesten

Rousseff äusserte sich nach einer Dringlichkeitssitzung mit ihren wichtigsten Mitarbeitern in Brasília. Am Vortag waren mehr als eine Millionen Menschen in mehr als hundert Städten zum Protestieren auf die Strasse gegangen.

Der Chef des Präsidialamtes, Gilberto Carvalho, warnte, die Proteste könnten womöglich den Weltjugendtag der Katholischen Kirche Ende Juli in Rio de Janeiro überschatten. Auch Papst Franziskus wird dann in Brasilien erwartet.

"Wir müssen vorbereitet sein", sagte Carvalho kurz vor der Krisensitzung. Er räumte zugleich ein, dass die landesweite Protestbewegung Ausdruck weit verbreiteter Unzufriedenheit sei.

Die Sozialproteste begannen vor mehr als einer Woche und haben das Land in die Krise gestürzt. Staatschefin Rousseff hatte angesichts des Millionenprotests eine für Ende des Monats geplante Reise nach Japan abgesagt.

Am Freitagabend protestierten in mehreren Städten des Landes erneut Tausende gegen Korruption und soziale Missstände. In Barra da Tijuca im Westen Rios, wo derzeit das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht, setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein.

Strassen in São Paulo blockiert

Friedliche Protestzüge gab es in Rios bekannten Vierteln Ipanema und Leblon. Auch im Grossraum São Paulo marschierten tausende Menschen. Sie besetzten zentrale Strassen, die die Millionenstadt São Paulo mit dem internationalen Flughafen Guarulhos verbinden.

Die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014. Viele Demonstranten kritisieren, dass der Staat für die Sportanlagen für die WM und die 2016 stattfindenden Olympischen Spielen 26 Milliarden Dollar in die Hand nimmt, für öffentliche Dienstleistungen die Mittel aber fehlten. Rousseff betonte die Chance des Sportgrossereignisses für Brasilien. Brasilien sei fünffacher Weltmeister und bei den Turnieren immer gut empfangen worden.

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Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen grosszügigen Empfang bereiten: "Respekt, Warmherzigkeit und Freude - so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine grossartige WM ausrichten."

Die Sozialproteste in Brasilien begannen vor mehr als einer Woche. Sie treffen Brasilien etwas mehr als ein Jahr vor den Präsidentenwahl und mitten in den Vorbereitungen für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014.

(chb/sda)