Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sind in der Nacht auf Sonntag trotz diplomatischer Fortschritte ohne einen Durchbruch vertagt worden. Das Treffen der Unterhändler soll am 20. November fortgesetzt werden.

US-Aussenminister John Kerry sagte, die Differenzen zwischen den Weltmächten und dem Iran konnten verringert werden. Er sprach von «wesentlichen Fortschritten» bei der dreitägigen Verhandlungsrunde in Genf. «Mit guter Arbeit» könne eine Einigung gelingen.

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Die USA wollten alle Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Atomkonflikts ausschöpfen, doch bleibe das Fenster für die Diplomatie «nicht unendlich offen». Zugleich bekräftigte er die Entschlossenheit der USA, den Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern.

Der iranische Aussenminister Mohammad Javad Zarif sagte, es gebe die Hoffnung auf eine Übereinkunft. «Ich bin nicht enttäuscht. Wir hatten drei sehr produktive Tage, und das ist etwas, auf das wir aufbauen können», sagte Zarif in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton.

Frankreich mit harter Haltung

Westlichen Diplomaten zufolge vertrat Frankreich bei den Verhandlungen eine besonders harte Haltung. Es war auch der französische Aussenminister Laurent Fabius, der um Mitternacht als Erster das Scheitern der Gesprächsrunde verkündete. Fabius sagte, dass trotz Fortschritten «noch einige Fragen geklärt» werden müssten.

In einem Radiointerview hatte Fabius den geforderten Baustopp für den Schwerwasserreaktor in Arak sowie die Uran-Anreicherung als Streitpunkte genannt. Ein westlicher Diplomat kritisierte, dass sich Paris kurz vor dem Abschluss der vorangetriebenen Annäherung zwischen dem Westen und dem Iran noch einmal in den Vordergrund spielen wolle.

Die seit Jahren stockenden Verhandlungen hatten unter dem im August gewählten neuen iranischen Präsidenten Hassan Ruhani wieder Schwung bekommen. Dieser hatte Flexibilität im Atomkonflikt signalisiert.

Zweistufiges Verfahren

Auf dem Verhandlungstisch in Genf lag eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hiess. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden.

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht an Nuklearwaffen arbeitet. Teheran will diese Sorge ausräumen, fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschliesslich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Hoffnungen auf Durchbruch

Gestern Samstag waren auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow und der chinesische Vizeaussenminister Li Baodong zu den Gesprächen in Genf gestossen. Am Vortag waren überraschend die Aussenminister der USA, Grossbritannien, Frankreichs und Deutschlands nach Genf gereist, was Hoffnungen auf einen bevorstehenden Durchbruch weckte.

Nachdem sich im Laufe des Samstags die Aussichten getrübt hatten, meldete sich der iranische Präsident Hassan Ruhani zu Wort. «Ich hoffe, die 5+1-Gruppe wird das Beste aus dieser aussergewöhnlichen Gelegenheit machen, welche die iranische Nation der internationalen Gemeinschaft geboten hat», sagte er laut der Nachrichtenagentur Irna.

Der Iran kündigte unterdessen an, dass er zudem einen Vertrag mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) abschliessen wolle. Man habe «einen neuen Vorschlag mit konkreten Massnahmen vorgestellt» und plane, diesen Text während des Besuchs von IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano am Montag in Teheran zum Abschluss zu bringen, sagte IAEA-Botschafter Resa Najafi.

(sda/jev)