Der kraftmeierische Auftakt von Donald Trumps Wahlkampagne wird am Donnerstag in Cleveland die erste Debatte der republikanischen Präsidentschaftsanwärter prägen. Die übrigen Kandidaten müssen reagieren, um angesichts des berühmten Milliardärs nicht in Vergessenheit zu geraten.

Donald Trump hat bereits gross aufgespielt im Vorwahlkampf in den USA. Er wusste mit scharfen Äusserungen gegen mexikanische Einwanderer und gegen den Senator seiner eigenen Partei, John McCain, zu empören. «Trump ist jener, der den republikanischen Vorwahlen die Struktur vorgibt», sagt der Politologe und politische Berater Louis Perron im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. «Der 69-jährige Trump kommt von ausserhalb des Politzirkels und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Dank seines eigenen Geldes ist er unabhängig und als anerkannte Persönlichkeit hat er wie einst Ronald Reagan vom Demokratenlager zur Grand Old Party (GOP) übergewechselt.»

«Donald Trump stellt sich gegen das System»

«Er spricht frank und frei, das gefällt der weissen Parteibasis und besonders den weniger gebildeten Wählern. Er stellt sich gegen alle anderen Kandidaten und gegen das System», erklärt der Zürcher Experte, der in Washington für das den Demokraten nahestehende Mellman-Büro gearbeitet hat.

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Der Trump-Effekt wird noch verstärkt, weil erstmals ein typisch republikanischer Kandidat fehlt. «Jeb Bush, der diese Rolle hätte einnehmen können, beeindruckt trotz der 100 Millionen Dollar, die er im ersten Halbjahr gesammelt hat, bislang niemanden», sagt Perron. Als Mitglied einer Familie, die unpopulär geworden ist, hat er zudem mit Schwierigkeiten in seinem Kampagnen-Team zu kämpfen.

Zwei Szenarien gegen Trump

In der Debatte vom Donnerstag, die vom TV-Sender Fox News direkt übertragen wird, stehen sich jene zehn Kandidaten gegenüber, die in den Umfragen am besten platziert sind. Die restlichen sieben Kandidaten sind zu einer Diskussionsrunde eingeladen, die gleichentags ausgestrahlt wird.

Bei dieser Gelegenheit werden die Gegner des Milliardärs gezwungen sein, zu reagieren. «Sie müssen es vermeiden, dass alles auf die Frage hinausläuft, 'Wer kann Trump stoppen?'», sagt Perron. Das können sie tun, indem sie in angriffigen Reden betonen, was sie von ihm unterscheidet. Diese Taktik könnten etwa moderatere Kandidaten wie Chris Christie wählen. Doch das Vorgehen ist laut Perron riskant, zumal Trump «zweimal so hart zurückschlagen werde, wie er angegriffen wurde».

«Das andere Szenario besteht darin, Vorschläge zu machen, die der Basis gefallen könnten», um nicht in Vergessenheit zu geraten. Dies wäre ein gangbarer Weg für Vertreter vom rechten Rand, etwa für die Senatoren Ted Cruz und Rand Paul.

Von rechts in die Mitte

Es braucht auf jeden Fall eine klare Positionierung. Eine alte Republikanerweisheit besagt, dass sich ein Kandidat im Vorwahlkampf sehr rechts positionieren soll, um dann während des eigentlichen Wahlkampfs in die Mitte zu rücken. Doch zu Zeiten langer und ununterbrochen geführter Wahlkampagnen funktioniert das längst nicht mehr. Dies bremse Persönlichkeiten, die schwierig einzuschätzen seien, wie etwa Senator Lindsey Graham, der zwar rechts steht, aber Kompromisse gewohnt ist.

Für einige – darunter insbesondere der ehemalige Gouverneur von Texas, Rick Perry – kann bereits die erste Debatte über sein oder nicht sein einer Kandidatur entscheiden. Im Gegenzug kann aber auch niemand jetzt schon die Kandidatur gewinnen.

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Auf Minderheiten abzielen

Selbst wenn sie sich noch abschwächen sollte, bleibt die Trump-Strömung bedeutend. «Ich sehe den Trump-Effekt als ein letztes Ereignis in einer langen Serie der Selbstzerstörung einer Partei, die immer mehr nach rechts driftet», sagt Perron. Nachdem die Republikaner die Wahlen mit moderaten Kandidaten verloren haben, ist die Versuchung gross, nun auf Kandidaten rechten Couleurs zu setzen.

Die GOP entspricht nicht mehr den gesellschaftlichen Veränderungen bei einer immer mannigfaltigeren Wählerschaft. Als allgemeine Regel gilt, dass die Republikaner die Wahl kaum gewinnen werden, ohne mindestens 40 Prozent der Latino-Stimmen zu holen. Auch wenn ein Kandidat wie Jeb Bush dies erreichen könnte, so bleibt diese Wählergruppe doch mehrheitlich demokratisch und der Rechtsdrall der Republikaner dürfte sie kaum dazu ermuntern, daran etwas zu ändern, schätzt Perron.

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«Es wird eine enge Wahl»

Dennoch sei es zu früh, jenen Kandidaten zu beerdigen, dem die Republikaner am Ende das Vertrauen aussprechen. Einerseits, weil das Stahlbad des Vorwahlkampfs oft Bewerber hervorbringt, die um einiges besser für die entscheidende Wahlkampagne vorbereitet sind. Andererseits bleibt auch die haushohe Favoritin der Demokraten, Hillary Clinton, nicht verschont von Affären. «Es winkt eine sehr enge und umkämpfte Wahl», prognostiziert Perron.

(sda/me)