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Duell
«Donald Trump führt eine Guerillakampagne»

Nun startet in den USA der Zweikampf zwischen Clinton und Trump. Politologe Louis Perron sagt eine «Wahlschlacht» voraus - und warum Schweizer Politiker von dieser nur bedingt lernen können.

Von Marc Bürgi
am 26.07.2016

Wird das der aggressivste US-Wahlkampf aller Zeiten?
Louis Perron*: Es wird eine negative, polarisierende und aggressive Wahlschlacht werden. Donald Trump und Hillary Clinton sind die zwei unbeliebtesten Kandidaten aller Zeiten. Für viele Amerikaner wird es darauf hinauslaufen, das kleinere Übel zu wählen. Ich kann mir gut vorstellen, dass deshalb «negative advertising», also Negativwerbung im TV und Internet, sehr intensiv genutzt werden wird.

Donald Trump ist ja ein unkonventioneller Politiker. Betreibt er eine neue Form von Wahlkampf?
Er versteht es, die Medien für seine Zwecke zu instrumentalisieren und er beherrscht die Kunst der Provokation. Er ist ein unkonventioneller Kandidat mit sehr wenigen Mitarbeitern, eigentlich ist die Kampagne bei ihm fast eine Familienangelegenheit. Er führt eine Art Guerillakampagne – so hat er sich in den Vorwahlen der republikanischen Partei gegen den Willen des Parteiestablishments durchgesetzt. Ob diese Strategie ihn ins Weisse Haus führen wird, ist eine ganz andere Frage. In der sogenannten «general election», der Endausscheidung gegen Hillary Clinton, sind andere Wähler entscheidend als bei den Vorwahlen.

Rechnen Sie damit, dass Trump seinen Stil nun ändern wird?
Das wäre falsch, denn er ist je schon relativ bekannt in der Bevölkerung – so wie auch Clinton. Die Bevölkerung hat sich schon ein Bild gemacht. Deshalb würde ich ihm nicht raten, sich völlig anders zu verhalten, das wäre unglaubwürdig. Vielleicht sollte er aber einen moderateren Ton wählen.

Was sind Clintons Schwächen?
Hillary ist nicht Bill. Sie ist nicht eine Kandidatin, welche das Handwerk des Wahlkampfs gut beherrscht. Sie kommt in den Medien nicht so gut rüber, sie kann wenig begeistern. Ihre Reden inspirieren die Leute nicht. Das hat auch damit zu tun, dass sie seit über 20 Jahren im Politbetrieb ist. Viele Amerikaner misstrauen ihr. Donald Trump nutzt das clever aus – er nennt sie «Crooked Hillary»  («Betrügerin Hillary») und weckt damit das Bild einer Insiderin, welche anfällig auf Korruption ist.

Können Schweizer Politiker etwas von diesem Wahlkampf lernen?
Man kann sehr viel lernen – beispielsweise von der Art und Weise wie die Amerikaner Meinungsforschung betreiben, soziale Medien nutzen oder Internetdaten verwenden. Allerdings muss man vorsichtig sein. Blind kopieren und übernehmen funktioniert nicht. Die Länder und die politische Kultur sind zu verschieden.

Sind die Methoden und Instrumente der Amerikaner raffinierter?
Der Wahlkampf in der Schweiz befindet sich im Dornröschenschlaf. Das hat damit zu tun, dass er in der Schweiz systembedingt nicht wahnsinnig wichtig ist. Die direkte Demokratie und das System der Konkordanz – die Machtteilung – nehmen dem Wahlkampf den Wind aus den Segeln.

In den USA steht mehr auf dem Spiel?
Amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf ist für die Politik, was die Fussballweltmeisterschaft für den Sport ist. Wer bei den Wahlen gewinnt, bestimmt für vier Jahren die Politik im Weissen Haus, nominiert Richter, hat ein Vetorecht im Parlament und so weiter. Es ist die grösste, teuerste und professionellste Wahlschlacht weltweit.

Wer wird im November gewinnen?
Grundsätzlich hat Clinton sicher einen Starvorteil wegen der Demographie. Die Demokraten haben in fünf der sechs letzten Präsidentschaftswahlen das Volksmehr gewonnen. Die demographische Entwicklung mit der wachsenden lateinamerikanischen Bevölkerungsschicht und dem stabilen Anteil der Schwarzen spielt Clinton in die Hände. Aber man darf Trump nicht unterschätzen. Er ist unvorhersehbar – auch mit seinem Sieg in den Vorwahlen hatte niemand gerechnet.

*Louis Perron ist ein Politologe und Politberater mit Kunden im In- und Ausland. Er ist Autor des Buches «How to Overcome the Power of Incumbency in Election Campaigns», welches beim deutschen Verlag Nomos publiziert wurde. Am Anfang seiner Laufbahn hat er an der Graduate School of Political Management an der George Washington University in Washington D.C. studiert. Er bloggt über den US-Wahlkampf auf www.campaignanalysis.com.

 

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