1. Home
  2. Politik
  3. Donald Trump setzt die globale Klasse unter Schock

Wahlsieg
Donald Trump setzt die globale Klasse unter Schock

Trump-Gegner vor dem Weissen Haus: Sein Sieg setzt die Weltelite unter Schock. Keystone

Der Albtraum der Gebildeten, Urbanen, Multikulturellen, Philantropen und Gutverdienenden ist wahr geworden: Donald Trump wird Präsident der USA.

Von Simon Schmid
am 09.11.2016

Es hätte ein Triumph werden sollen. Ein Triumph der aufgeklärten Progressivpolitik gegenüber der Demagogie, der Misogynie, dem Fremdenhass, der postfaktischen Politik. Eine späte Anerkennung fürs politische Lebenswerk einer engagierten und blitzgescheiten Frau. Die Krönung einer jahrzehntelangen Emanzipationsbewegung. Hätte.

Doch aus dem Traum, dem sich die Demokraten in den USA bis vor den gestrigen Präsidentschaftswahlen so nahe wähnten, ist nichts geworden. Stattdessen ist es zu einer Abrechnung gekommen. Einer Abrechnung der konservativen Wähler mit dem globalen Wirtschafts- und Wertesystem, dem sie sich nicht mehr zugehörig fühlen. Eine Abrechnung des ruralen und suburbanen Amerika mit der globalen Klasse, die heute von Downtown Hong Kong über Berlin Mitte bis nach San Francisco reicht.

Blaue Farbtupfer auf einer roten Landkarte

Wie in allen Industrieländern wurden die politischen Konflikte in den USA über Jahrzehnte hinweg primär entlang von Ideologien geführt: Links gegen Rechts. Schleichend hat sich der politische Graben mehr und jedoch in einen Stadt-Land-Gegensatz gewandelt. Florida, Virginia, Pennsylvania: Alle Gliedstaaten in den USA sind heute grundsätzlich rot, also republikanisch. Demokratisch in blau eingefärbt sind einzig die Städte.

Städte wie New York, in denen nun Fassungslosigkeit herrscht. Die globale Klasse, die hier wohnt, studiert, feiert und arbeitet: Sie steht nach dieser Wahlnacht unter Schock. Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft hat sie nun mit aller Wucht eingeholt. Ob es dazu des demagogischen Genies eines Donald Trump bedurfte, oder ob die historisch miese Mobilisierungskraft einer Hillary Clinton den Ausschlag gab, ist letztlich einerlei. Fest steht nun erstmal, dass die global Minds für mindestens vier Jahre nicht am Drücker sind.

Der Kulturkampf hat gerade erst begonnen

Die Niederlage des demokratischen Establishments ist bitter. Bitter deshalb, weil es sich mit seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik eigentlich genau an jene Schichten wandte, die ihm nun zu grossen Teilen die Gefolgschaft verweigert haben: die Niedrigqualifizierten mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Mittellosen ohne anständige Gesundheitsversorgung. Die Niederlage ist doppelt bitter, weil der Abstieg dieser Schichten just durch jene Partei gestärkt wurde, die nun den nächsten Präsidenten stellt. Make America Great Again: Der Slogan hätte eigenlich den Demokraten zugestanden, nicht den Republikanern.

Bitter sind auch die rassistischen und frauenfeindlichen Töne, die in dieser Wahl zum Vorschein gekommen sind. Das Ergebnis mutet aus dieser Warte wie ein Rückfall an in Zeiten, die längst überwunden schienen. Wirtschaftlich wird die Zukunft für Amerika nicht einfacher werden, gesetzt dass Trump sein geplantes Programm umsetzt. So gesehen hat auch der Kulturkampf erst begonnen, der mit der Ausmarchung des Donald Trump gegen Hillary Clinton eigentlich hätte beendet werden sollen.

Anzeige