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Donald Trumps Wahlkampf steckt in argen Nöten

Hillary Clinton wirbt mit klarer Strategie um wichtige Wähler. Trump dagegen scheint noch nicht im Wahlkampf angekommen zu sein. Die Zeit wird knapp, doch wenigstens hat er einen Plan für danach.

Veröffentlicht am 17.08.2016

Der Aufruf von Donald Trump klang beinahe schon verzweifelt. Er scherze natürlich nur, wenn er todkranke Wähler aufrufe, am 8. November für ihn zu stimmen, betonte der republikanische US-Präsidentschaftskandidat jüngst bei einer Rede vor Vertretern der evangelikalen Gemeinde in Florida.

Selbst wer im Bett liege und gerade die «schlimmste Diagnose erhalten hat, die ein Arzt stellen kann», müsse sich aufraffen: «Sie müssen am 8. November aufstehen und wählen gehen», mahnte der 70-Jährige.

Noch nicht angekommen

Doch das Werben um jede einzelne Stimme scheint Trump durchaus ernst zu sein. Ganze neun Mal appellierte er bei der Wahlkampfveranstaltung in Florida an die Priester, ihre Gemeindemitglieder dazu zu ermuntern, ihr Kreuz bei ihm zu machen. Der selbstbewusste Immobilienunternehmer sorgt sich offenbar ernsthaft um seine Chancen im Duell gegen seine demokratische Rivalin Hillary Clinton.

Die Kampagne des Rechtspopulisten ist nach seinem überraschenden Triumph bei den parteiinternen Vorwahlen ins Stocken geraten. Nach Einschätzung von Experten ist er noch nicht im landesweiten Wahlkampf angekommen, in dem er nun alle Amerikaner ansprechen muss.

Vor- oder Nachteil

Bei der Mittelschicht konnte Trump bislang nicht wie erhofft punkten. «Es bleibt ihm nicht mehr viel Zeit», sagt der Politikwissenschaftler Christopher Wlezien, der an der Universität von Texas in Austin lehrt.

Trumps Unberechenbarkeit könne sich in den kommenden Monaten noch als Vorteil herausstellen, genauso gut könne sie ihm aber auch schaden. «In den vergangenen zwei Wochen wirkte es eher so, dass sie nicht gut für ihn ist», sagt Wlezien.

Teleprompter mag Trump nicht

Während der innerparteilichen Vorwahlen widersetzte sich Trump noch den Ratschlägen von Experten und Parteifreunden, er müsse «präsidentieller» auftreten und aufhören, seine Rivalen zu beschimpfen.

Nach seiner Nominierung als Kandidat der Republikaner gab er dem Drängen seiner Berater nach: Er liest nun gelegentlich vorbereitete Reden zu politischen Sachthemen vom Teleprompter ab. Doch ganz wohl fühlt er sich dabei offenbar nicht. Immer wieder fällt er aus seiner neuen Rolle und leistet sich einen Fehltritt nach dem anderen.

Gegen Präsidenten und Konkurrenten

So behauptete er, US-Präsident Barack Obama sei der «Gründer» der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Eine mehrdeutigen Ansprache an Waffenliebhaber wurde von Kritikern als Aufruf zum Anschlag auf Hillary Clinton gedeutet.

Auch mit seinen Anfeindungen gegen die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten sorgte Trump für Empörung. «Ich will mich nicht ändern, aber ich habe es getan. Wir werden sehen, wohin das führt», sagte der Politikneuling nun am Dienstag dem Magazin «Time».

Gegnerin mit klarer Strategie

Trump springt von einem Thema zum anderen, eine klare Strategie scheint er nicht zu haben. Stattdessen verlässt er sich lieber auf seinen Instinkt und bringt immer wieder seine Kernforderungen vor: Den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die Begrenzung der Einwanderung sowie den Kampf gegen den IS und gegen die Auslagerung von Jobs ins Ausland (siehe Bildergalerie unten).

Für einen Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl dürfte dies aber kaum ausreichen, zumal seine Gegnerin eine eindeutige Strategie verfolgt.

Wenig Ausgaben für TV-Werbung

Clinton umwirbt aktiv ihre Anhängerschaft unter den Afroamerikanern und Hispanics und kämpft um die Stimmen der weissen Mittelschicht in Schlüsselstaaten wie Pennsylvania und Ohio, die mit ihren wechselnden Mehrheiten eine entscheidende Rolle bei der Wahl spiele könnten. Ein Heer von bezahlten und freiwilligen Helfer unterstützt Clinton dabei.

Die Demokratin gibt auch deutlich mehr Geld für Wahlwerbung aus. Laut dem Sender ABC News investierte Clintons Lager bislang fast 93 Millionen Dollar in TV-Spots, während Trumps Unterstützer lediglich 11 Millionen Dollar einsetzten. Das offizielle Wahlkampfkomitee des Republikaners steckte bislang keinen einzigen Cent in Fernsehwerbung.

Plan für danach

Trump fiel in Umfragen zuletzt deutlich hinter Clinton zurück. Noch gibt sich der Republikaner unbeeindruckt. Wenn er bei der Wahl im November verliere, werde er in sein «sehr gutes Leben» zurückkehren. «Entweder schaffe ich es oder ich werde mir einen sehr, sehr schönen und langen Urlaub gönnen.»

Die Versprechen des Donald Trump:

(sda/jfr)

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