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Krieg
Dutzende Tote bei Bodenoffensive in Gaza

Rauch über Gaza-City: Hochburg der Hamas.   Keystone

Blutiges Wochenende in Nahost: Bei israelischen Angriffen auf den Gazastreifen sind am Sonntag mindestens 87 Palästinenser getötet worden. Besonders viele Opfer gab es im Gaza-Stadtteil Sadschaija.

Veröffentlicht am 20.07.2014

Nach Angaben von Ärzten sind mindestens 87 Palästinenser getötet worden. Allein im dicht besiedelten Gaza-Stadtteil Sadschaija kamen 62 Menschen ums Leben. Auf israelischer Seite fielen 13 Soldaten. Hunderte Palästinenser wurden verletzt, wie ein Sprecher der Rettungskräfte in Gaza sagte. Die Rettungsdienste zählten unter den Opfern im Stadtteil Sadschaija 14 Frauen und 17 Kinder. Augenzeugen sprachen von Dutzenden Leichen, die auf den Strassen gelegen hätten.

Israel erklärt dies mit dem heftigen Widerstand der Hamas im Häuserkampf. Ein israelischer Militärsprecher bezeichnete Sadschaija als «Hochburg der Hamas». «Die israelischen Truppen wurden beim Vorrücken von allen Seiten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten beschossen», sagte er. 13 Soldaten der als Elitetruppe geltenden israelische Golani-Einheit wurden alleine am Sonntag in Sadschaija getötet, wie eine Militärsprecherin in Tel Aviv erklärte. Damit kamen seit Beginn der Bodenoffensive am Donnerstagabend 18 israelische Soldaten ums Leben.

Mehr als 430 Palästinenser getötet?

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 430 Menschen getötet und mehr als 3000 verletzt. Palästinensische Ärzte beklagen bereits einen Mangel an Medikamenten und Ausrüstung bei der Behandlung der vielen Opfer. Augenzeugen berichteten am Sonntag von dramatischen Szenen in hoffnungslos überfüllten Spitälern. Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, sie errichte ein Feldlager nahe der Grenze zum Gazastreifen. Dort sollen verletzte Palästinenser behandelt werden.

Eine humanitäre Feuerpause, die das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) angeregt hatte, brach nach kurzer Zeit zusammen. Die israelische Armee habe «auf Beschuss der Hamas» reagiert und «zurückgeschossen», erklärte ein Armeesprecher. Die zweistündige Kampfpause am Sonntagnachmittag hätte dazu dienen sollen, die Leichen in Sadschaija zu bergen. Die israelische Armee gab am Sonntag bekannt, dass ihre Soldaten in Sadschaija zehn Tunneleingänge gefunden hätten. Die Hamas nutzt die Tunnel als Verstecke für ihre Waffen und für Vorstössen auf israelisches Gebiet.

Kerry soll Feuerpause vermitteln

Ein Hamas-Kommado drang am Samstag durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet vor. Die Kämpfer beschossen einen israelischen Militär-Jeep mit Panzerfäusten und Schnellfeuergewehren. Ein Major und sein Fahrer wurden getötet, zwei weitere Soldaten verletzt. Die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi warf Israel vor, in Gaza ein «Massaker» anzurichten. Israel übe mit seiner Offensive im Gazastreifen «Staatsterrorismus» aus, sagte Aschrawi nach Angaben ihres Büros vom Sonntag. Auch der palästinensische Präsident Mahmud Abbas bezeichnete den israelischen Angriff als Massaker. Als Reaktion auf die steigenden Opferzahlen ordnete Abbas laut der Nachrichtenagentur Wafa eine dreitägige Staatstrauer an.

US-Aussenminister John Kerry wird voraussichtlich in Kürze in den Nahen Osten reisen, um eine faire Feuerpause zu erreichen. Er glaube, dass ihn Präsident Barack Obama kurzfristig entsenden werde, um an einem Waffenstillstand zu arbeiten, sagte Kerry dem Sender CNN. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begann am Sonntag in der in der katarischen Hauptstadt Doha eine Vermittlungsmission. Nach UNO-Angaben will Ban danach nach Kuwait, Kairo, Jerusalem, Ramallah im Westjordanland und in die jordanische Hauptstadt Amman reisen. Ziel sei es, Israelis und Palästinensern zu helfen, die Gewalt zu beenden. Ebenfalls in Katar trifft Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Sonntag Hamas-Exil-Chef Chaled Maschaal zu Beratungen über eine Feuerpause.

(sda/se)

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