Unser Nachbar Österreich hat sich für rund 1,7 Milliarden Euro 15 Eurofighter Typhoon geleistet. Das Geschäft wurde in der Zeitspanne zwischen 2002 und 2009 evaluiert, aufgegleist und durchgezogen. Jetzt suchen die Strafverfolger rund 100 Millionen Euro, die möglicherwiese als Schmiergelder versickert sind. Nun ist die Korrespondenz zwischen EADS und einer mysteriösen Londoner Lobbyisten Firma aufgetaucht.

Zweifel an Lobby-Terminen in Wien

Die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) veröffentlicht heute einen Bericht zu der Verbindung zwischen EADS und den Lobbyisten von City Chambers.

Die Beratergesellschaft hat laut der Zeitung am 24. Juni 2005 einen Bericht an die EADS-Chefetage geschickt.

Über die Aktivitäten und den Zweck der dafür geflossenen rund 8,1 Millionen Euro winden sich jetzt Fragen. «Die Abgesandten von City Chambers behaupten, dass sie dazu einiges geleistet hätten. Sie wollen sich mit österreichischen Militärs getroffen haben, mit Abgeordneten. Und - ja, das auch - mit mehreren Spitzenpolitikern, darunter ein gewisser Dr. W. Lüssel, ein Dr. J. Laider sowie ein Dr. K.H. Lasser», schreibt die «SZ» spitz. Dass die Namen der offenbar getroffenen Spitzenpolitiker nicht stimmen, lässt Zweifel an der Seriosität der Lobbyarbeit aufkommen. Der damalige Kanzler in Österreich hiess Wolfgang Schüssel und mit J. Laider ist wohl der mittlerweile tödlich verunglückte Jörg Haider gemeint, der war damals FPÖ-Regierungschef in Kärnten. Der Dritte im Bunde heisst Karl-Heinz Gasser und war Finanzminister. Laut «SZ» hat er nie einen Doktor-Titel getragen.

Keiner fragte nach

Die Profi-Lobbyisten aus London wollen sich gleich zwei Mal mit dem österreichischen Kanzler getroffen haben. Beim zweiten Male hiess er W. Luessel. « Auf die Idee, mal nachzufragen, wer dieser Dr. Luessel beziehungsweise Dr. W. Lüssel denn sei, ist bei EADS wohl niemand gekommen, als das viele Geld in die Poland Street überwiesen wurde» wundert sich die «SZ» in ihrem Bericht. Auch sonst haben es die EADS-Verantwortlichen offenbar nicht so genau genommen. Laut der «SZ» habe sich dort niemand gewundert, dass die Anteilseigner der Londoner Firma nicht bekannt waren.

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F16 und Gripen ausgestochen

In Österreich haben die F16 aus den USA, der Gripen aus Schweden  und der Typhoon von Eurofighter zur Wahl gestanden. Der Entscheid in Wien ist bist heute umstritten. Die «SZ» fasst die Gerüchte und Spekulationen so zusammen: «Seit Jahren wird vermutet, dass sich Politiker, Spitzenbeamte und Militärs in Österreich nicht nur aus sachlichen Gründen für den Typhoon und gegen die F16 aus den USA und den Gripen aus Schweden entschieden hätten, sondern auch finanziell profitiert hätten.» Bewiesen ist bis heute nichts. Doch der Bericht den die «SZ» heute veröffentlichte, lässt weitere Indizien ans Licht kommen. Die Strafverfolger in Deutschland und Österreich gehen dem Verdacht nach, dass Schmiergelder geflossen sind. « Das Geld floss teils über Konten und Firmen in London, teils aber auch über sogenannte Offshore-Gesellschaften. Stationen waren die Isle of Man, die Schweiz und Liechtenstein sowie Zypern», weiss die «SZ» zu berichten.

Anklage noch möglich

Sollten die Beweise weiter ausbleiben, können sich die damaligen EADS-Verantwortlichen nicht in Sicherheit wiegen. Laut «SZ»-Beiricht wird dann die Anklage womöglich wegen Untreue erhoben. «Wer Millionenbeträge für obskure Rechnungen zahlt oder zahlen lässt, verstösst gegen seine Pflicht, mit dem Unternehmensvermögen sorgsam umzugehen.»

Die Lobbyisten aus London dürfte das kaum noch interessieren. Wohin sie die EADS-Millionen verschoben haben wird kaum noch aufzuklären sein. Die Firma existiert nicht mehr und laut «SZ» sollen alle Unterlagen wohl verschwunden sein.