Die Angst vor der Ebola-Seuche nimmt weltweit zu. US-Präsident Barack Obama sagte mehrere Termine und Auftritte ab und kündigte wegen der mangelhaften Vorbereitung vieler Kliniken des Landes ein schärferes Vorgehen der Behörden an.

In Madrid wurden gleich drei neue Ebola-Verdachtsfälle ins Krankenhaus eingewiesen - darunter ein Mann aus Nigeria, der während eines Flugs Schüttelfrost bekam sowie ein Priester, der vor kurzem in Liberia tätig war. Auch im US-Bundesstaat Connecticut werden Personen mit Ebola-typischen Symptomen untersucht.

Rund 4500 Tote

Die EU setzt derweil auf stärkere Kontrollen von Fluggästen in den am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte eine deutlich stärkere internationale Kooperation an, um die tödliche Seuche zu besiegen.

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat knapp 4500 Tote registriert, vor allem in Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die Zahl der Infizierten dürfte noch in dieser Woche die Marke von 9000 überschreiten. Die Dunkelziffer jedoch liegt deutlich höher. In Sierra Leone erfasste die Seuche unterdessen auch den letzten Bezirk, in dem bislang noch keine Fälle registriert wurden.

«Ebola macht nicht an Grenzen Halt»

Merkel sagte im Bundestag, die «schreckliche Heimsuchung» für die Menschen Westafrikas sei in der globalisierten Welt «nur mit einer deutlich engeren Zusammenarbeit und mit deutlich effektiveren Strukturen einzudämmen als wir sie im Augenblick haben». Ebola mache nicht an Grenzen Halt, mahnte sie.

Die internationale Gemeinschaft wollte eigentlich einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Dollar einrichten, um die Seuche zu bekämpfen. Nach UN-Unterlagen sind davon nach knapp einem Monat erst 100.000 Dollar wirklich eingetroffen. Bis Donnerstag waren Zusagen in Höhe von 365 Millionen Dollar eingegangen. Zu den Geldgebern gehören etwa Staaten, die Afrikanische Union, die EU oder die Weltbank.

Ebola überschattet Wahlkampf in den USA

In den USA versuchen die Republikaner wenige Wochen vor den Kongresswahlen, aus der Ebola-Angst politisches Kapital zu schlagen. Obama handele zu langsam, wenn es um den Schutz der Bürger gehe, lautet ihre Kritik. Abgeordnete wie der Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, fordern gar, Reiseverbote gegen die drei afrikanischen Staaten zu verhängen, von denen die Seuche ausgeht. Sie treffen damit den Nerv vieler Amerikaner, wie Umfragen zeigen.

Weltbank-Chef Jim Yong Kim erklärte dagegen, die Schliessung von Grenzen sei kein effektives Mittel gegen die Krankheit. «Das ist so, als ob man in einem Zimmer in einem brennenden Haus mit nassen Handtüchern die Türschlitze abdichtet, um den Rauch zu stoppen.» Stattdessen müsse die Verbreitung in den am stärksten betroffenen Ländern gestoppt werden. «Wir müssen uns wieder darauf konzentrieren, das Feuer zu löschen.»

Sorgen wegen weiterer Infektion in den USA

Verstärkt wurden die Sorgen in den USA durch die Infektion einer zweiten Krankenschwester in Texas, die kurz vor dem Ausbruch der Krankheit eine Flugreise unternahm und mit mehreren Personen in Kontakt kam. Sie gehörte zu den Betreuern von Thomas Eric Duncan, der eine Woche zuvor in Dallas im US-Bundesstaat Texas gestorben war. In der Öffentlichkeit wurden Zweifel laut, ob Obama die Lage unter Kontrolle hat. Die texanischen Gesundheitsbehörden räumten Fehler ein und entschuldigen sich bei der Öffentlichkeit.

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Nach einer zweistündigen Kabinettssitzung kündigte er an, die Gesundheitsbehörde CDC werde ein Team in jedes Krankenhaus entsenden, in dem ein neuer Infektionsfall festgestellt werde. Zugleich betonte er, das Risiko einer Verbreitung des Virus in den USA sei sehr gering.

Notfallmassnahmen am Flughafen Madrid

Am Flughafen in Madrid wurde ein Notfallplan in Gang gesetzt. Ein Passagier eines Air-France-Flugs aus der nigerianischen Hauptstadt Lagos über Paris nach Spanien habe plötzlich Schüttelfrost bekommen, teilten der Betreiber Aena und die Gesellschaft mit. Die Reisenden hätten in der spanischen Hauptstadt das Flugzeug verlassen, das nun desinfiziert werde. Der Rückflug sei abgesagt worden. Der ebenfalls ins Krankenhaus eingewiesene Priester gehört dem gleichen Orden an, von dem auch die beiden in den vergangenen Wochen in Madrid verstorbenen Priester stammten.

In Spanien hatte sich eine Krankenschwester bei einem der beiden inzwischen verstorbenen Priester mit Ebola angesteckt. Sie schwebt in Lebensgefahr, doch ist ihr Zustand nach Angaben der Ärzte stabil. Die Behörden teilten mit, eine Kontaktperson der Frau, die schon zu Hause unter Beobachtung gestanden habe, sei ins Krankenhaus gebracht worden. Sie habe Fieber bekommen, was ein Symptom der tödlichen Seuche sein kann.

Auch in Connecticut gibt es einen Verdachtsfall: Wie das Yale-New Haven Hospital mitteilte, wird dort ein Patient mit ebolaähnlichen Symptomen untersucht. Ein weiterer Verdachtsfall in Dänemark bestätigte sich jedoch nicht.

Diskussionen über verstärkte Kontrollen von Passagieren

In der EU ging die Diskussion weiter, wie eine Einschleppung der Seuche verhindert werden kann. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe kündigte nach einer Sitzung mit seinen EU-Kollegen an, es werde geprüft, ob die von der WHO koordinierten Massnahmen an den Flughäfen in Sierra Leone, Liberia und Guinea verbessert werden müssten.

Eine EU-weite Kontrolle an den europäischen Flughäfen für Passagiere aus Westafrika sei nicht vorgesehen. Die EU-Staaten wollen sich nach Angaben Gröhes aber enger über Massnahmen an den Flughäfen bei Direktflügen austauschen.

(reuters/dbe)