Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Ansicht der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) noch mindestens sechs Monate grassieren. Die Helfer könnten nicht mit der sich stetig verschlechternden Lage mithalten, sagte MSF-Präsidentin Joanne Liu in Genf. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagte Liu nach einer zehntägigen Reise durch die Region. Es brauche eine neue Strategie, denn die Ausbreitung der Krankheit beschränke sich nicht mehr nur auf einige Dörfer, sondern habe jetzt auch Liberias Hauptstadt Monrovia erfasst, eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern.

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In der betroffenen Region – von Guinea, Sierra Leone bis Liberia – herrsche ein allgemeines Klima der Angst, vergleichbar mit der Atmosphäre während eines Krieges. Und Angst sei kein guter Ratgeber, sagte Liu vor den Medien. Die Leute misstrauen offenbar sogar den Gesundheitszentren, und MSF fehlt es an Personal, um diejenigen Leute aufzuspüren, die mit den Infizierten Kontakt hatten. «Die Infrastruktur versagt völlig», sagte Liu.

«Engagement muss auf mindestens sechs Monate ausgerichtet sein»

Die Pufferzone, die um das Epizentrum der Epidemie errichtet wurde, sei zwar «ein Teil einer möglichen Lösung». Aber sie müsste von der Bevölkerung akzeptiert werden, um wirklich zu funktionieren. Liu appellierte an die internationale Gemeinschaft, alle Mittel zur Bekämpfung der Epidemie zu mobilisieren. «Das muss sofort passieren, wenn wir die Epidemie eindämmen wollen. Und das Engagement muss auf mindestens sechs Monate ausgerichtet sein.», sagte Liu.

Seit dem Ausbruch der Epidemie im März ist MSF mit 700 Mitarbeitern  darunter 80 Ausländer - in sieben verschiedenen Orten in den drei Ländern im Einsatz. 

WHO: Epidemie womöglich schlimmer als bislang bekannt

Tatsächlich ist die Epidemie möglicherweise schlimmer als bislang bekannt. Es gebe Hinweise in den betroffenen Ländern, dass das tatsächliche Ausmass des Ausbruchs weit grösser sei als die Zahl der Todesopfer und Erkrankungen erkennen lasse, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Bis Mittwoch wurden 1975 bestätigte Erkrankungen und Verdachtsfälle gemeldet. 1069 Menschen erlagen der Viruserkrankung. Die internationalen Hilfsmassnahmen sollen nun ausgeweitet werden. Der Weltbank zufolge wird erwogen, abgeriegelte Seuchengebiete in Liberia und Sierra Leone aus der Luft mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

(reuters/sda/moh)