1. Home
  2. Politik
  3. Echo aus dem Ausland auf die Vollgeld-Initiative

Abstimmung
Echo aus dem Ausland auf die Vollgeld-Initiative

Vollgeld-Befürworter: Die Initiative kommt zur Abstimmung. Keystone

Die Vollgeld-Initiative kommt zur Abstimmung und schlägt mittlerweile auch im Ausland Wellen. Der Vorstoss zieht Kritik auf sich.

Veröffentlicht am 29.12.2015

Die Schweiz stimmt über die Vollgeld-Initiative ab: Fast 111'000 der eingereichten Unterschriften sind gültig, teilte die Bundeskanzlei am Donnerstag mit. Der Weg ist frei für eine Abstimmung, die revolutionäre Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Selbst im Ausland wirft die Initiative bereits ihren Schatten voraus: Der britische «Telegraph» berichtet über die Initiative ebenso wie ein Kommentator für das Wirtschaftsmagazin «Forbes».

Hinter der Vollgeld-Initiative steht der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo). Er fordert, dass allein die Nationalbank (SNB) neben Münzen und Notengeld auch elektronisches Geld schaffen darf. Dass die Schweizerinnen und Schweizer in Geldfragen abstimmten, sei nicht neu, schreibt der Autor im «Telegraph» und verweist auf die Gold-Initiative im vergangenen Jahr, die mit grosser Mehrheit abgelehnt wurde.

Das will die Vollgeld-Initiative

Die Befürworter des Vollgelds sehen die Ursache für die letzte Finanzkrise im heutigen Geldsystem: Laut Initianten erzeugten Banken heute rund 90 Prozent des Geldes und heizten damit als Geldproduzenten angeblich Finanzblasen an. Im heutigen System schaffen Banken dauernd neues, eigenes fiktives Geld, sogenanntes Buchgeld, indem sie Kredite vergeben, und sie können das praktisch beliebig tun. Buchgeld existiert nur elektronisch, erweitert aber die umlaufende Geldmenge. Sobald ein Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld wieder verschwunden.

Demnach hat das gegenwärtige Geldsystem laut Initianten zudem eine gefährliche Schuldenspirale in Gang gesetzt. Denn alles Geld gelangt heute per Kredit in den Wirtschaftskreislauf. Alle Akteure in der Wirtschaft – Bürger, Staat und Unternehmen – sind demnach auf Schulden angewiesen. Entsprechend gilt laut Initianten: «Ein Geldsystem, das auf Kredit gegründet ist, raubt uns die Freiheit.»

Kritik an der Initiative

Bei «Forbes»-Kommentator Tim Worstall kommt die Initiative indes nicht gut an. Der Ökonom vom Adam-Smith-Institute kritisiert, die Urheber der Vollgeld-Initiative arbeiteten mit Behauptungen, die nicht richtig seien. Die Argumente der Befürworter des Vollgelds, von denen es auch in Grossbritannien einige gibt, wiedersprächen sich inhaltlich. Deshalb könnten auch die Forderungen nicht richtig sein. Entsprechend lässt Worstall kein gutes Haar an dem Vorstoss.

(moh)

Anzeige