Heinz Karrer, seit wenigen Wochen Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, wirft sich in den Abstimmungskampf gegen die 1:12-Initiative der Jungsozialisten (Juso). Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» unterstellt er ihnen implizit, nie gearbeitet zu haben. Mit Bezug auf die Initiative, die eine staatlich vorgegebene fixe Lohnbandbreite einführen will, sagt Karrer: «So etwas erfinden nur Leute, die sich nie in einem Arbeitsumfeld bewegt haben.»

«Karrer hat keinen Respekt»

Die Initianten reagierten auf den Frontalangriff. «Das ist die Arroganz eines Funktionärs, der von einem staatlichen Monopolisten kommt», sagte SP-Nationalrat  Cédric Wermuth, einer der Väter der Initiative, gemäss Medienbericht. Er sieht in Karrers  Äusserung  die «Hilflosigkeit der Initiativgegner».

Von Arroganz spricht auch der jetzige Juso-Chef David Roth: «Karrer hat keinen Respekt vor dem Stimmvolk», sagte er. «Unter den 120 000 Menschen, welche die Initiative unterschrieben haben, sind sicher viele, die härter arbeiten als der Economiesuisse-Präsident.» Roth weist zudem darauf hin, dass der Gewerkschaftsbund  als Arbeitnehmervertretung par excellence Teil des Initiativ-Komitees sei.

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Karrer: Saläre von bis zu einer Million Franken vertretbar

Im Interview führt Karrer aus, welche Gefahren er in der Initiative erkennt: Diese stelle das ganze Lohnsystem der Schweiz auf den Kopf und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Dabei schaffe sie nicht mehr Fairness. «Gerechtigkeit ist etwas extrem Subjektives», sagt Karrer, «man wird ihr deshalb nicht mit Lohndiktaten gerecht».

Löhne müssten gesellschaftlich akzeptiert sein, sagte Karrer in dem Interview. Zudem gäbe es zu hohe Saläre: Diese beträfen aber nur sehr wenige Menschen. «Wir sollten lieber über die 95 Prozent mit vertretbaren Löhnen sprechen. Eine halbe bis eine Million Franken sind Spitzensaläre, aber vertretbar, wenn jemand einen guten Job macht. Und vergessen wir nicht: Wer mehr verdient, zahlt mehr in die Sozialwerke ein», so Karrer.

(moh)