Trotz des Einbruchs bei den Gewinnen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise vor allem bei den Banken sind Grossunternehmen viel wichtigere Steuerzahler, als es alleine die Gewinnsteuern suggerieren. So sind die gesamten Steuern und Abgaben der Unternehmen an den Staat nicht gesunken.

Die Einnahmen von Bund, Kantonen, Gemeinden und Sozialversicherungen haben nach ersten Schätzungen im Jahr 2011 einen neuen Rekord von rund 201 Milliarden Franken erreicht nach 197 Milliarden Franken im Vorjahr. 55 Prozent davon stammten direkt und indirekt von den Unternehmen, wie eine Studie zeigt, die Economiesuisse zusammen mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PwC Schweiz erstellt hat.

Eine gewichtige Rolle spielen dabei Grossunternehmen. So fliessen 10,3 Prozent der Steuerzahlungen von juristischen Personen alleine durch 57 Grosskonzerne, die sich an der Studie beteiligt haben, wie PwC-Verwaltungsratspräsident Markus Neuhaus bei der Vorstellung der Studie vor den Medien in Zürich erklärte.

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Banken zahlen viele Steuern

2011 machten die Gewinnsteuern lediglich 44 Prozent der direkten Unternehmenssteuern aus. 56 Prozent entfielen dagegen auf Steuern, die vom Gewinn der 57 Grossfirmen unabhängig waren.

Der Löwenanteil davon sind die Beiträge in die Sozialversicherung der Mitarbeiter. Die restlichen Steuern werden erhoben etwa für Produkte (z.B. Mehrwertsteuer, Einfuhrzölle usw.), Umwelt (z.B. LSVA) oder Eigentum (z.B. Liegenschafts-, Motorfahrzeugsteuern).

«Gerade in der Krise wirken gewinnunabhängige Steuerarten auf die Staatsfinanzen stabilisierend», sagte Studienmitautor Armin Marti von PwC. Dank diesen gewinnunabhängigen Steuern komme dem Staat von den Banken immer noch ein stattliches Steuersubstrat zu, auch wenn die Gewinnsteuern der Branche durch die Finanzkrise massiv eingebrochen seien.

«Die derzeit tiefen Gewinnsteuern bedeuten also nicht, dass die Banken keine Steuern zahlen», hiess es. Wichtig sei der Gesamtsteuerbeitrag der Unternehmen, nicht nur die Gewinnsteuern, sagte Neuhaus.

Schweiz steht nicht schlecht da

Insgesamt beläuft sich die totale Steuerquote der 57 Grossunternehmen im Durchschnitt auf 32 Prozent, obwohl die Gewinnsteuer lediglich knapp 16 Prozent ausmacht. Damit steht die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut da.

Besser ist nur noch Kanada. Rechnet man allerdings die Beiträge an die Pensionskassen dazu, befindet sich die Schweiz nur noch im Mittelfeld.

Zusätzlich übernehmen die Unternehmen die Rolle des Steuereinziehers für den Staat. So ziehen sie von ihren Kunden etwa die Mehrwertsteuer, Einfuhrzölle, Alkohol- und Tabaksteuern oder die Sozialabgaben der Mitarbeiter ein und leiten diese dem Staat weiter.

Angesichts dieser Bedeutung warnt economiesuisse davor, wegen der Kritik aus dem Ausland an gewissen Schweizer Steuerpraktiken die Milchkühe zu schlachten. Die Schweiz müsse ihre steuerliche Attraktivität für ausländische Unternehmen verteidigen.

Von den 8,4 Milliarden Franken Gewinnsteuern, die der Bund 2011 von den Unternehmen kassiert habe, stammte die Hälfte von Unternehmen, die kantonale Steuerprivilegien genössen, sagte Urs Furrer von Economiesuisse. Und diese Firmen könnten schnell in andere Länder ausweichen.

Die Unternehmenssteuerreform III sei ein Muss. Neben der Senkung der Gewinnsteuern müssten Besteuerungssysteme geschaffen werden, die international weniger angreifbar seien, sagte Furrer. Denn die Steuerprivilegien der Kantone für Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften sind der EU ein arger Dorn im Auge.

(chb/sda)