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Politik

Economiesuisse: Zeit für einen radikalen Kurswechsel

Das Verlierer-Trio des Abstimmungssonntags: Economiesuisse-Mitglieder Gentinetta, Wehrli und Fraefel. (Bild: Keystone)

Die Schweiz hat die «Abzocker-Initiative» angenommen. Das Ergebnis ist eine vernichtende Niederlage für Economiesuisse. Der Wirtschaftsdachverband muss sich deshalb personell und strategisch dringend

Von Vasilije Mustur
am 28.02.2013

Das Schweizer Stimmvolk hat der Abzocker-Initiative mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Damit erteilt es den Aktionären von Schweizer Grosskonzernen den unmissverständlichen Auftrag, Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Beirat schärfer zu überwachen.

Ausserdem senden die Stimmbürger eine deutliche Botschaft in Richtung Wirtschaft: Antrittsgagen, Abgangsentschädigungen oder Konkurrenzverbote wie diejenigen des gescheiterten Swissair-Konzernchefs Mario Corti oder von Credit-Suisse-Lenker Brady Dougan werden nicht mehr toleriert - und das ist gut so.

Der Triumph des Schaffhauser Unternehmers und Ständerats Thomas Minder muss vor allem Economiesuisse zu denken geben. Der Wirtschaftsdachverband hat im Abstimmungskampf total versagt. Zuerst der Skandal um die gekauften Kommentare, dann die Angstmacherei vor einem landesweiten Kahlschlag bei einer allfälligen Annahme der Initiative und als Höhepunkt das Theater um den Abzocker-Film von Starregisseur Michael Steiner.

Als wenn das nicht schon genug gewesen wäre, fand eine deutliche Distanzierung vom ehemaligen Novartis-Präsidenten Daniel Vasella nach Bekanntwerden des geplanten Konkurrenzverbots nie statt. Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass sich diese Strategie gerächt hat. 

Economiesuisse muss Glaubwürdigkeit wieder herstellen

Es ist für Economiesuisse deshalb höchste Zeit, sich selbst zu hinterfragen und neu zu erfinden. Wenn diese Botschaft bei Präsident Rudolf Wehrli, Direktor Pascal Gentinetta und Kampagnenleiterin Ursula Fraefel nach dem Abstimmungssonntag aber immer noch nicht angekommen ist, muss der Wirtschaftsdachverband personelle Alternativen prüfen. Zu viel steht auf dem Spiel. 

Die Schweiz braucht in den nächsten Monaten und Jahren einen glaubwürdigen Wirtschaftsdachverband in Sachen Corporate Governance und Corporate Responsibility. Denn bald steht die unverhältnismässige und für den Wirtschaftsstandort gefährliche «1:12-Initiative» der Jungsozialisten zur Abstimmung an - und im Gegensatz zur «Abzocker-Initiative» könnte die tatsächlich Arbeitsplätze im grossen Stil kosten.

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