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Tendenz
Ecopop- und Goldinitiative auf dem Weg zum Nein

Action gegen Ecopop-Initiative: Letzte Woche hätte es Nein geheissen.   Keystone

Laut Umfrage hätten die Wähler letzte Woche die Ecopop- und Goldinitiative an der Urne die Wand gefahren. Auch die Pauschalbesteuerung wäre abgelehnt worden. Doch die Meinungsbildung geht weiter.

Veröffentlicht am 19.11.2014

Wäre schon letzte Woche abgestimmt worden, hätten 56 Prozent der Stimmenden die Ecopop-Initiative abgelehnt. In Richtung eines Nein geht der Trend auch bei der Goldinitiative und der Initiative für die Abschaffung der Pauschalsteuern. Abgestimmt wird am 30. November.

Trotz Nein-Anteil von 56 Prozent zur Ecopop-Initiative «Stopp der Überbevölkerung - zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen»: Der Anteil der Befürworter ist seit Mitte Oktober, als die erste Trendumfrage durchgeführt worden war, grösser geworden. Und dies entgegen dem bei Volksinitiativen üblichen Trend.

Ja-Lager gewachsen

Während im Oktober noch 35 Prozent der Befragten ein Ja eingelegt hätten, waren es gemäss der zweiten Trendumfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG 39 Prozent. Die Meinungsbildung zur Ecopop-Initiative sei fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, hielt gfs.bern am Mittwoch fest.

5 Prozent der Befragten waren noch unentschlossen. Das Nein-Lager schrumpfte um zwei Prozentpunkte auf 56 Prozent. Laut gfs geht der Trend in Richtung mehr Zustimmung, anders als bei anderen Initiativen.

SVP-Basis sagt Ja

Die SVP-Basis hätte das Begehren mit 63 Prozent angenommen, trotz Nein-Parole der SVP Schweiz. Mehrere SVP-Kantonalparteien hatten die Ja-Parole beschlossen. Unter Parteiungebundenen war der Anteil der Befürworter mit 40 Prozent klar höher als unter Anhängern von SP, FDP, CVP und Grünen.

Ein entscheidender Faktor für die Zunahme der Befürworter ist laut gfs, dass Menschen «mit ausgesprochenem Behördenmisstrauen» verstärkt für die Initiative sind. Werde zusätzlich mobilisiert, würde das Ja-Lager profitieren.

Die Trendumfrage zeigt zudem sprachregionale Unterschiede: In der italienischsprachigen Schweiz dürfte es eine Ja-Mehrheit geben - 56 Prozent der Tessiner wollten vergangene Woche ein Ja einlegen und 33 Prozent ein Nein. In der Deutschschweiz und in der Romandie überwog dagegen das Nein.

Goldinititative: Trend in Richtung Nein

Die Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» fand in der zweiten Trendumfrage allein in der SVP-Anhängerschaft eine deutliche Mehrheit. Die SVP Schweiz gab die Nein-Parole aus, über die Hälfte der Kantonalparteien dagegen die Ja-Parole. Insgesamt 38 Prozent der Befragten hätten gemäss der Umfrage ein Ja eingelegt.

Mitte Oktober hatten noch 44 Prozent die Initiative befürwortet, die die Goldlagerung in der Schweiz vorschreibt und eine 20-prozentige Goldquote für die Bilanz festlegen will. Dagegen wuchs das Lager der Gegner: 47 (Oktober: 39) Prozent lehnten die Initiative ab. 15 Prozent waren unentschlossen.

Spielraum für Veränderungen

Die gfs-Forscher sehen trotz des Nein-Überhangs noch Spielraum für Veränderungen. Der Trend in der Meinungsbildung verweise in Richtung Nein, hiess es in der Mitteilung des gfs.bern.

Stark geschrumpft ist das Ja-Lager bei den Parteiungebundenen: Stimmten im Oktober noch 50 Prozent von ihnen der Initiative zu, waren es im November noch 29 Prozent. Die Wählerschaft von SP, FDP, CVP und Grünen dagegen lehnte die Goldinitiative mehrheitlich ab.

Goldpreis gibt umgehend nach

Die Ergebnisse der am Mittwoch publizierten Trendumfrage haben die Hoffnungen von Goldhändler und -spekulanten auf schnelle Gewinne gedämpft. Der Preis für eine Feinunze Gold gab nach Bekanntgabe der Umfrageergebnisse deutlich nach.

Er sank innerhalb von Minuten um über 1 Prozent auf unter 1'179 Dollar pro Feinunze. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass mit dem deutlichen Anstieg des Nein-Anteils in der Umfrage auf 47 Prozent die Wahrscheinlichkeit deutlich gesunken ist, dass die Nationalbank (SNB) massiv Gold zukaufen muss. Im Laufe des Abends erholte sich der Goldkurs jedoch wieder.

Auch Devisenmarkt reagiert auf Ergebnisse

Die Umfrageergebnisse sorgten aber auch am Devisenmarkt für eine kurze Entlastung der SNB. Der Euro stieg nach der Bekanntgabe von 1,2014 Franken in einem Sprung auf bis zu 1,2026 Franken an. Am Abend notierte der Euro wieder bei 1,2012 Franken. Seit September 2011 garantiert die Nationalbank einen Euro-Mindestwechselkurs von 1,20 Franken, um die Exportwirtschaft zu stützen.

In den letzten Tagen ist diese Untergrenze mehrfach getestet worden, weil Investoren davon ausgehen, dass bei einer Annahme der Goldinitiative die SNB die Untergrenze nicht mehr garantieren kann.

Pauschalbesteuerung: Nein überwiegt

Bei der Volksinitiative «Schluss mit den Steuerprivilegien für Millionäre» für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung weist der Trend ebenfalls auf einen Nein-Überhang hin. 46 Prozent der Stimmenden hätten vergangene Woche die Initiative abgelehnt, 42 Prozent mit Ja gestimmt.

12 Prozent gaben sich noch unentschlossen. Doch der Trend in der Meinungsbildung weise in Richtung Nein, schrieb gfs.bern. Das gelte für alle Landesteile. Im Lauf der Abstimmungskampagne mehrten sich in aller Regel die Einwände gegen Volksinitiativen.

Überdurchschnittliche Beteiligung

Die Stimmbeteiligung am 30. November dürfte überdurchschnittlich sein. Mitte November hätten sich 52 Prozent der Berechtigten an die Urnen begeben. Befragt wurden vom 7. bis zum 15. November 1412 Stimmberechtigte in allen Landesteilen. Der statistische Fehlerbereich liegt bei 2,7 Prozent.

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