Die Gemeindepräsidentin hat ihren Worten Taten folgen lassen: Johanna Bartholdi hat an der Gemeinversammlung von Egerkingen die Namen von Steuerschuldnern mit mehrjährigen Ausständen und Verlustscheinen verlesen, berichtet das «Grenchner Tagblatt».

Kurz vor 21 Uhr hätte Bartholdi unter dem Traktandum «Steuerabschreibungen» trotz Warnung des Kantons ernst gemacht: Namen wurden verlesen, die Höhe der Ausstände allerdings nicht. Zu jenem Zeitpunkt seien Medien und nicht stimmberechtigte Personen im Saal nicht zugelassen gewesen.

Der Druck der Gemeinde hatte im Vorfeld Wirkung gezeigt: 75'000 Franken seien durch die Drohung in die Kasse geflossen – noch würden laut Bericht 100'000 Franken fehlen.

Steuersünder als Schwarzer Peter

Gegenüber Schweizer Radio SRF wurde ein Versammlungsteilnehmer mit den Worten zitiert: «Ich hoffe, dass sich die Betroffenen ein wenig schämen, wenn sie durchs Dorf laufen - das sie sich als Schwarzer Peter fühlen.» 

Im Interview mit Schweizer Radio SRF sagte Bartholdi: «Es zeigt sich, dass wir mit der Aktion Recht haben – aber wohl nicht Recht bekommen werden.» Gemäss Solothurner Datenschützerin seien die Persönlichkeitsrechte verletzt worden – ein juristisches Nachspiel ist wahrscheinlich.

(vst/tke)