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Barbestände
Einbrecher auf der Jagd nach dem Griechen-Cash

Aus Angst vor dem Banken-Kollaps plünderten die Griechen ihre Konten und bunkern Unsummen zuhause. Das lockt brutale Räuber an. Doch auch Firmen und Supermärkte sind im Visier der Kriminellen.

Von Dominic Benz
am 02.07.2015

Sie kommen bewaffnet am Tag oder in der Nacht: In Griechenland terrorisieren seit Wochen Räuber und Diebe die Bevölkerung. Laut Schätzungen der Polizei, könnte sich die Zahl der Einbrüche und Raubüberfälle in den letzten Monaten verdoppelt haben, schreibt das «Handelsblatt». Im Visier haben die Kriminellen vor allem eines: Bargeld.

Denn davon gibt es derzeit in Griechenland zuhauf. Seit Monaten plündern die Sparer aus Angst vor der Staatspleite und dem Bankenkollaps ihre Konten. Laut Schätzungen sollen die Griechen bis zu 20 Milliarden Euro bündelweise in ihren Wohnungen unter dem Fussboden, in Schränken oder im Keller horten. So liegen die riesigen Summen quasi auf der Strasse. Ein Paradies für Kriminelle.

Dramatischer Anstieg der Barbestände

Und der Bargeldbestand in Griechenland wächst und wächst: Zwischen November 2014 und April 2015 sei der sich im Umlauf befindende Bargeldbestand von 30,1 auf 43 Milliarden Euro gestiegen, schreibt das «Handelsblatt». Das entspricht rund einem Viertel des hellenischen Bruttoinlandprodukt (BIP). Der Cash-Anteil in anderen Euro-Ländern beträgt demnach lediglich zwischen 5 bis 10 Prozent des BIP. Rund ein Fünftel der abgehobenen Beträge sei ins Ausland geflossen.

Mit dem Bunkern von Bargeld wähnen sich die Griechen in einer trügerischen Sicherheit. Denn das Cash lockt Kriminelle an – vor allem aus dem Ausland. Die Mehrheit der Langfinger seien keine Griechen, sondern Albaner, Georgier, Ukrainer, Russen und Bulgaren, zitiert das «Handelsblatt» einen Insider. 

«Bügeleisen-Bande»

Bei ihren Raubzügen sind sie oftmals mit Kalaschnikows bewaffnet und gehen nicht selten äusserst brutal vor. Wie etwa die fünfköpfige «Bügeleisen-Bande», die offenbar mit dem erhitzten Haushaltsgerät die Besizer zur Herausgabe der Banknoten-Bündel gezwungen haben.

Doch nicht nur Privathaushalte sind im Visier der Räuber, sondern auch Firmen, Supermärkte und kleine Geschäfte. Sie bunkern ebenfalls haufenweise Bargeld. Etwas anderes bleibt ihnen kaum übgrig. Denn seit Montag sind die Banken geschlossen. Bestände können nicht eingezahlt werden. Doch selbst wenn das möglich wäre: Die meisten Unternehmer würden ihr gut verdientes Geld jetzt sowieso nicht den griechischen Banken anvertrauen. So haben die Griechen die Wahl zwischen Cholera oder Pest – zwischen Einbrechern und möglicher Bankenpleite.

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