In einer der grössten Kundgebungen in der französischen Geschichte hat bis zu einer Million Menschen in Paris der Opfer der islamistischen Anschläge der vergangenen Woche gedacht. Laut Veranstalter sollen sogar 1,5 Millionen Menschen gewesen sein. Der Platz der Republik im Stadtzentrum war lange vor Beginn des Gedenkmarsches, an dem auch Dutzende Staats- und Regierungschefs teilnahmen, überfüllt. Demonstranten schwenkten französische Fahnen und riefen immer wieder in Sprechchören: «Vive la France» und «Wir sind Charlie».

Fast zeitgleich wurde im Internet ein Bekennervideo eines der Attentäter veröffentlicht. Darin erklärt er, die Anschläge auf das Satire-Blatt «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt seien koordiniert geplant worden. Bei den Angriffen waren 17 Menschen getötet worden, auch die drei Attentäter wurden erschossen.

«Paris ist heute die Hauptstadt der Welt»

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Angeführt wurde der Gedenkzug vom französischen Staatspräsidenten Francois Hollande. «Paris ist heute die Hauptstadt der Welt», sagte er in einer Kabinettssitzung vor Beginn des «Republikanischen Marschs». «Unser ganzes Land wird aufstehen und sich von seiner besten Seite zeigen.»

An Hollandes Seite waren untergehakt unter anderem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen - alle in schwarz gekleidet. Insgesamt hatten sich 44 Staats- und Regierungschefs angesagt, unter ihnen der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Grund- und Menschenrechte stärker verteidigen

Auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga nahm an der Gedenkfeier teil. Sie sagte anschliessend, es sei «sehr eindrücklich» gewesen und sie sei «persönlich berührt». Zuvor hatte sie in einem Interview mit der «Sonntagszeitung» betont: «Das Wichtigste ist im Moment, dass wir hinstehen und gemeinsam unsere Werte verteidigen.»

Der Angriff auf «Charlie Hebdo» müsse Anlass sein, um Grund- und Menschenrechte wie die Meinungsäusserungsfreiheit noch stärker zu verteidigen und in der Gesellschaft noch tiefer zu verankern. «Sie sind keine Selbstverständlichkeit», so Sommaruga.

«Terroristen haben nicht gewonnen»

Das französische Fernsehen sprach von der grössten Kundgebung in Paris seit dem Ende zweiten Weltkriegs. «Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben», sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. «Im Gegenteil sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen». Auf einem handgeschriebenen Plakat war ein Zitat von Thomas Jefferson zu lesen: «Unsere Freiheit beginnt mit der Freiheit der Presse».


Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten hiess es: «Freiheit – Wir sind deinetwegen hier» oder «Charlie Akbar» - in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis «Allah ist gross».

Jüdische Einrichtungen extra geschützt

Der Präsident des jüdischen Dachverbandes Crif, Roger Cukierman, sagte nach einem Treffen mit Hollande, jüdischen Einrichtungen seien extra Schutzmassnahmen zugesichert worden. So würden Schulen und Synagogen notfalls von der Armee geschützt. Frankreich hat neben der grössten muslimischen auch die grösste jüdische Gemeinde in Europa. Rund 550’000 Juden leben in Frankreich. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl anti-semitischer Vorfälle mehr als verdoppelt.

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Als Konsequenz aus den Anschlägen wollen die EU-Staaten den Austausch über die Reisebewegungen von Dschihadisten verbessern. Im Schengener Informationssystem soll etwa künftig eingetragen werden, wenn ein mutmasslicher islamistischer Kämpfer aus Europa die Aussengrenzen überschreitet und etwa aus Syrien und den Irak zurückkehrt, wie aus einer Erklärung der Innenminister in Paris hervorgeht. Auch soll die Zusammenarbeit mit Ziel- und Transitländern verbessert werden. Viele «forein fighters» nutzen etwa die Türkei, um von Europa in den Krieg zu ziehen.

(reuters/sda/me)