Zur Zeit seiner Kindheit war Wen Jiabaos Familie «extrem arm», wie er selbst in einer Rede letztes Jahr zu Protokoll gab. Dieses Manko hat der chinesische Premierminister mittlerweile mehr als wettgemacht. Laut einem Bericht der «New York Times» ist allein Wens Mutter – eine ehemalige Lehrerin – Eigentümerin eines Anteils am Versicherungsunternehmen Ping An im Wert von 120 Millionen Dollar.

Kurz nach der Veröffentlichung des betreffenden Berichts wurde die Website der US-Zeitung in China gesperrt. Auch andere Informationen über den Premierminister waren nur noch schwer im Internet zu bekommen.

Mutter, Bruder, Frau und Sohn

Doch nicht nur die Mutter des Premierministers ist ausserordentlich wohlhabend. Während diese angeblich nicht einmal von ihrem Vermögen wusste – eine Freundin der Familie habe ihre eigenen grossen Anteile an Ping An verstecken wollen, sagte diese – ist Wens Frau, Zhang Beili, allgemein als gewiefte Geschäftsfrau bekannt. Die Geologin managte früher staatliche Diamantenunternehmen, welche später privatisiert wurden – so wurde sie reich.

Insgesamt hätten die Kinder, der jüngere Bruder des Premiers, Zhang Beili und deren eigener Bruder ein Vermögen von mindestens 2,7 Milliarden Dollar angehäuft, berichtet die «New York Times» weiter.

Geld aus erstaunlicher Quelle

Daran sei vor allem auffällig, dass die Unternehmen von Wens Verwandtschaft häufig Geld aus ungewöhnlicher Quelle bekamen. So wurden manche der Angehörigen von China Mobile unterstützt. Wens Sohn konnte ein Unternehmen an Hongkongs reichsten Mann, Li Ka-shing, verkaufen. Ausserdem konnte beispielsweise Wens Bruder von einer Änderung der Gesetze über die Entsorgung von medizinischem Abfall profitieren: Sein Unternehmen übernahm die Aufbereitung von Abwasser und die Entsorgung medizinischer Abfälle und erhielt dafür über 30 Millionen Dollar.

Doch Familie Wen ist nicht allein mit ihren Reichtümern. Auch die Familie von Xi Jinping, der voraussichtlich nächsten März Hu Jintao als Präsident der Volksrepublik ablöst, soll Hunderte von Millionen Dollar schwer sein. Nachdem «Bloomberg News» diese Information veröffentlicht hatte, war auch deren Website in China vorübergehend blockiert.

(jev/muv)

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