Die Geldgeber Griechenlands dringen nach monatelangem Streit über die Reformauflagen für neue Kredite auf einen Durchbruch. Eine überraschend am Montagabend bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin zusammengekommene Spitzenrunde pochte darauf, dass «mit grosser Intensität» nach einer Lösung gesucht wird.

Unter den Geldgebern gibt es Überlegungen, der griechischen Regierung ein finales Angebot zu machen und eine Entscheidung in Athen zu erzwingen. Erste Reaktionen aus Griechenland fielen negativ aus: Arbeitsminister Panis Skourletis sagte, er sehe keinen Spielraum mehr für Kompromisse. Entscheidend ist nun der Kurs von Regierungschef Alexis Tsipras, der innenpolitisch unter starken Druck steht.

Alle Geldgeber zusammen

An dem Treffen im Kanzleramt nahmen Frankreichs Präsident Francois Hollande, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde teil. Damit sassen alle Geldgeber, die seit 2010 immer neue Milliarden in das pleitebedrohte Land gepumpt haben, an einem Tisch. Angekündigt war nur eine Begegnung Merkels mit Hollande und Juncker zu einem völlig anderen Thema.

Am frühen Morgen teilte ein deutscher Regierungssprecher mit, die Runde haben sich über den aktuellen Stand ausgetauscht: «Die Gesprächspartner waren in den letzten Tagen in engstem Kontakt und wollen dies auch in den nächsten Tagen bleiben - sowohl untereinander als natürlich auch mit der griechischen Regierung.»

Weitere Inhalte des rund dreistündigen Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt. Sollte sich bis zum Wochenende keine Einigung erzielen lassen, dürfte Griechenland dann auch Thema auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau werden.

Hilfsprogramm läuft Ende Juni aus

Die klamme griechische Regierung ringt seit Monaten mit den internationalen Geldgebern um Reformen, die den Weg frei machen sollen für kurzfristige Hilfszahlungen von 7,2 Milliarden Euro. Am Freitag wird eine Kreditrate von rund 300 Millionen Euro an den IWF fällig. Insgesamt muss Griechenland diesen Monat rund 1,6 Milliarden Euro an den Fonds überweisen, im Juli und August stehen 6,7 Milliarden Euro für die EZB an. Unter Experten gilt es als gewiss, dass die Regierung spätestens dann pleite ist.

Das Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende Juni aus. Deutschland und Frankreich sind in der Euro-Zone die zwei größten Einzel-Kreditgeber Griechenlands. Die EU-Kommission hat keine Kredite vergeben, ist mit dem IWF und der EZB aber Teil der Institutionen, die mit den Griechen die Reformgespräche führen.

Arbeitsmarkt und Rentensystem im Fokus

Hauptstreitpunkte sind Reformen des Arbeitsmarktes und des Rentensystems. Nach jahrelanger Rezession will die von Links- und Rechtspopulisten getragene Regierung den Menschen keine sozialen Einschnitte mehr zumuten.

Arbeitsminister Skourletis lehnte im Sender Skai TV Zugeständnisse an die Gläubiger ab: «Wir warten darauf, dass die andere Seite ihrer Verantwortung nachkommt.» Dagegen sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici dem französischen Sender France Inter, die Griechen hätten Vorschläge für eine Rentenreform unterbreitet.

Tsipras: «Absurde Vorschläge»

Tsipras kämpft seit Wochen mit dem linksradikalen Flügel seiner Partei Syriza, die eine Fortsetzung der Spar- und Reformpolitik vehement ablehnt. Am Montag hatte er sich stundenlang mit seinem Verhandlungsteam beraten, das am Dienstag in Brüssel zurückerwartet wurde. Öffentlich klagte Tsipras die Geldgeber am Wochenende in einem Artikel für die französische Zeitung «Le Monde» an, sie würden «absurde Vorschläge» machen.

Sein Stellvertreter Yannis Dragasakis schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Weder akzeptiert die Regierung Ultimaten, noch lässt sie sich erpressen.» Nach Angaben aus der französischen Regierung sind sich die Geldgeber noch nicht einig über das weitere Vorgehen.

Ein griechischer Regierungsvertreter sagte am Dienstagmorgen, keiner der an dem Berliner Krisengespräch Beteiligten habe Tsipras bisher wegen des Treffens kontaktiert. Seit 2010 hat das Land fast 240 Milliarden Euro an Hilfskrediten bekommen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: «Ich finde es absolut richtig, dass Deutschland und Frankreich noch einmal einen Versuch unternehmen, zu einer Lösung zu kommen.» Er hoffe sehr, dass die griechische Regierung darauf eingehe. Die politischen Konsequenzen einer Insolvenz des Landes wären «gigantisch».

(reuters/dbe/ama)