Der so genannte «Emir von Winterthur», ein mutmasslicher Drahtzieher der Islamisten-Szene, ist wieder in Freiheit. Die Bundesanwaltschaft hat den Kampfsportler aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte auf Anfrage eine Meldung von Radio Top vom Donnerstag. Das zuständige Zwangsmassnahmengericht habe Ersatzmassnahmen angeordnet. Welche das sind, macht die Bundesanwaltschaft nicht bekannt. Missachtet der Beschuldigte diese Ersatzmassnahmen, kommt er sofort wieder hinter Gitter.

Ausbildung in Syrien

Der Mann wurde am 16. Februar 2016 verhaftet und sass seither in Untersuchungshaft. Weshalb er nun freigelassen wurde, sagt die Bundesanwaltschaft nicht. Die Bundesanwaltschaft führt gegen den Kampfsportler eine Untersuchung wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation sowie Widerhandlungen gegen das IS-Verbot.

Der Beschuldigte gab zu, im syrischen Aleppo in einem Camp gelebt zu haben. Dort sei er bewaffnet und der Wache des Camps zugeteilt worden. Er bestreitet aber, an Kämpfen teilgenommen zu haben.

Das bezweifelt die Bundesanwaltschaft, weil es zahlreiche Fotos des Mannes gibt, die ihn in Kampfmontur zeigen. Gemäss sichergestellten Mitteilungen soll der Mann in Syrien für den Dschihad trainiert und einem möglichen Märtyrertod entgegen gesehen haben.

Jugendliche rekrutiert

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen zudem vor, als Schlüsselfigur der Winterthurer Islamistenszene Jugendliche rekrutiert zu haben. Als Kampfsportlehrer hatte er Kontakt zu mehreren Personen, die später in den Irak oder nach Syrien reisten.

Unter ihnen war auch das Geschwisterpaar aus Winterthur, das Ende 2014 vom Vater vermisst gemeldet wurde und schliesslich aus dem Kriegsgebiet in die Schweiz zurückkehrte.

Der Verdächtige ist Konvertit. Sein Vater stammt aus Italien, seine Mutter aus Ex-Jugoslawien. Im Kanton Zürich läuft gegen ihn parallel ein weiteres Verfahren wegen Betrugs und anderer Delikte.

(sda/gku/mbü)

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