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Markt
Emmi, der grosse Profiteur der Abschottung

Butter: Viel teurer als in Deutschland.Keystone

Politiker und Firmen werfen dem Milchverarbeiter Emmi vor, seine marktbeherrschende Stellung im Buttermarkt auszunützen.

Von David Vonplon
am 27.05.2015

Wieder einmal wachsen die Butterberge in schwindelerregende Höhen. Letztes Jahr haben Schweizer Bauern soviel Milch gemolken wie nie zuvor – jetzt sitzen sie auf 6000 Tonnen Butter, die im Inland nicht abgesetzt werden kann. Und das obwohl seit Anfang Jahr bereits 1900 Tonnen zu Tiefstpreisen auf dem Weltmarkt veräussert wurde.

Eigentlich müssten die Butterpreise angesichts der Überschüsse sinken. Doch im hoch subventionierten und teilweise abgeschotteten Schweizer Milchmarkt gelten andere Gesetzmässigkeiten. Trotz Überschüssen werden die Preisunterschiede gegenüber dem benachbarten Ausland immer grösser. Für Kochbutter bezahlt der Schweizer Konsument mittlerweile rund drei Mal mehr als für deutsche Markenbutter.

Coop und Migros mucken auf

Je stärker sich die Preisschere gegenüber dem Ausland öffnet, desto grösser wird die Unruhe bei den Detailhändlern. Ein Coop-Sprecher bezeichnet die Situation als «unbefriedigend». Man sei derzeit daran, die Lage zu prüfen. Ähnlich klingt es bei der Migros: «Die Konsumenten goutieren solche Preisunterschiede nicht, wie der wachsende Einkaufstourismus belegt», sagt Jürg Maurer, stellvertretender Leiter Wirtschaftspolitik beim MGB.

Die Migros versuchte bereits im Jahr 2007, die ineffizienten Schweizer Butterhersteller zu umgehen. Sie beantragte damals beim Bund, Schweizer Rahm in Deutschland zu Butter zu verarbeiten lassen, um diese dann günstiger in den eigenen Läden zu verkaufen. Die Migros blies die Aktion schliesslich aus Kostengründen ab. Damals jedoch war die Butter bloss 40 Prozent  teurer als in Deutschland. Da sich die Preisunterschiede seither stark vergrössert hätten, sei ein solcher Schritt wieder «überlegenswert», sagt Maurer.

Kein Wettbewerb im Buttermarkt

Der Buttermarkt ist fest im Griff der beiden bäuerlich beherrschten Unternehmen Emmi und Cremo. Wegen der hohen Zollschranken müssen sie keine ausländische Konkurrenz fürchten. Zugleich decken die beiden Unternehmen 90 Prozent des Marktes ab.  Die Wettbewerbskommission (Weko) stuft Emmi und Cremo denn auch als marktbeherrschend ein. «Es herrscht wenig Wettbewerb im Buttermarkt. Weder Emmi noch Cremo haben einen Anreiz zu Preisunterbietungen», konstatiert Sprecher Patrik  Ducrey.

An dieser Situation werde sich nichts ändern, solange der Markt abgeschottet bleibe. Die vollständige Öffnung des Milchmarktes – wie von der Weko empfohlen – bleibt jedoch in weiter Ferne.

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