«Finally», titelt das «Providence Journal» in dicken Lettern auf seiner Frontseite: «Endlich». Das Blatt aus New England ist eine von fünfzig Zeitungen, deren Frontseiten an diesem Morgen in Washington D.C. ausgehängt sind - vor dem «Newseum», einem Pressemuseum gleich um die Ecke zum Kapitol.

Es ist Wahltag in Amerika. Und von Boston bis San Francisco, von Arizona bis nach Michigan überwiegt die Erleichterung, dass der ganze Zirkus nun bald vorbei ist. «It's almost over», freut sich die «Great Falls Tribune», und illustriert dies mit einem Cocktailglas auf dem Titelblatt. Trump gegen Clinton: Das Duell dieser ebenso ungleichen wie illustren Figuren hat die Nerven hier im Land in den letzten Monaten arg strapaziert.

Kann es noch schlimmer werden?

Da war der Republikaner Donald Trump: ein Kandidat, der die Öffentlichkeit aller entgegen aller Gepflogenheiten im Dunkeln liess über seinen persönlichen Reichtum und ob er Steuern bezahlt hat. Der sich um political Correctness ebenso wie um die Ratschläge seiner Parteistrategen foutierte und munter Latinos, Schwarze und Frauen gegen sich aufbrachte. Der bis zur letzten Minute vor einem «Disaster» warnte für den Fall, dass er nicht gewählt würde, wie «Richmond Times-Dispatch» heute bemerkt.

Kann es noch schlimmer werden? Ja, meint die Zeitung «Argus Leader», und gibt ihren Lesern auf der Frontseite schon mal Tipps für das Worst-Case-Szenario: Was, wenn man den Führerausweis verloren hat, und trotzdem wählen möchte? Schlimmer als Trump oder Clinton wäre nur, gar nicht zu wählen, schreibt auch «Detroit Free Press». Abgebildet auf deren Frontseite ist ein Dokument, das an die Verfassung von 1776 erinnert, und zwanzg Gründe auflistet, an die Urne zu gehen. «Weil die ganze Welt zuschaut», heisst es da. Was nachweislich stimmt: Sogar der «Samoa Observer» macht heute mit der Präsidentenwahl auf.

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Unpopuläre Kandidaten

So richtig enthusiastisch ist in den USA aber niemand. Auch nicht in Bezug auf die Demokratin Hillary Clinton, auf die Kandidatin, die bereits einmal im Weissen Haus gewohnt hat und schon immer unpopulär war. «Hasst Hillary ruhig, aber bitte: wählt sie!» ruft der Dokumentarfilmer Michael Moore in einem Bühnenprogramm auf, das derzeit in abgehalfterten Kinos amerikanischer Vorstädte läuft.

Hillary hat gemäss Prognosen die grössten Chancen, das Rennen zu machen. Doch die Unsicherheit ist gross, selbst bei ihren eigenen Anhängern.

Nachgeschmack bleibt

Wenn heute Abend endlich der Sieger feststeht, wird erstmal Ruhe einkehren in den USA. Keine Rallys mehr, keine täglichen Updates von den letzten Umfragen. Doch der bittere Wahlkampf wird das Land so schnell nicht loslassen. Vieles von dem Hässlichen wird den Menschen auch in den nächsten vier Jahren nicht erspart bleiben: Der polarisierte Diskurs, die dysfunktionale Medienwelt, die Entfremdung der Kongressabgeordneten unter sich und von ihren Wählern.

Dass dereinst wieder zwei «ganz normale» Kandidaten um den Einzug ins Weisse Haus kämpfen, scheint an diesem 8. November 2016 nur schwer vorstellbar.

Das sind die Bilder der US-Wahl 2016

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Historischer Händedruck: Donald Trump und Barack Obama treffen am 10. November 2016 im Weissen Haus zum ersten Mal aufeinander.

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