Der US-Wahlkampf geht in die letzte Runde. Dabei konzentrieren sich Präsident Barack Obama und der republikanische Herausforderer Mitt Romney auf eine kleine Gruppe von Bundesstaaten, die Zünglein an der Waage sind.

Während beide Kandidaten in landesweiten Umfragen gleichauf sind, räumen Experten Obama noch immer die grösseren Chancen ein, sich mit Siegen in entscheidenden «Swing States» am Ende die nötige Mehrheit im Wahlmännergremium zu sichern.

270 Wahlmännern für Sieg erforderlich

Alle Bundesstaaten und die Hauptstadt Washington stellen entsprechend ihrer Bevölkerungsstärke ein bestimmtes Kontingent in dem 538 Mitglieder umfassenden «electoral college», das letztlich den Präsidenten wählt. Für den Sieg ist eine Mehrheit von 270 Wahlmännern erforderlich.

Obama kann auf die traditionell demokratische Westküste mit dem Schwergewicht Kalifornien sowie New York und andere liberale Bundesstaaten im Nordosten des Landes zählen. Romneys Republikaner dürfen mit Siegen in Texas und den Südstaaten rechnen.

Aktueller Zwischenstand: 237:206 für Obama

Der Nachrichtensender CNN sieht auf Grundlage von Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten derzeit 237 Wahlmännerstimmen in der Hand von Obama. Romney kann demnach kurz vor der Wahl nur auf 206 Stimmen im «electoral college» setzen. Den Ausschlag dürften am Ende neun besonders umkämpfte Bundesstaaten geben, die bei den vergangenen Wahlen mal demokratisch, mal republikanisch votierten.

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Florida ist mit 29 Stimmen der grösste Preis unter den «Swing States». Obama gewann hier 2008, nachdem bei den vorherigen beiden Wahlen der Republikaner George W. Bush knapp vorne lag. Der Präsident und sein Herausforderer ringen besonders um die Stimmen der Rentner, die wegen des warmen Klimas aus dem ganzen Land nach Florida gezogen sind und sich vor allem um die Gesundheitspolitik sorgen. Eine weitere wichtige Gruppe sind Wähler lateinamerikanischer Abstammung. Meinungsforscher sehen im «Sunshine State» einen leichten Vorsprung für Romney.

Ohio (18 Stimmen) gilt mit seiner Mischung aus ländlicher Bevölkerung, Vorstädten und urbanen Zentren wie Cleveland als Abbild der USA. Die Industrieregionen im Norden sind traditionell demokratisches Terrain, den agrarwirtschaftlich geprägten Süden dominieren die Republikaner. Während der Staat 2000 und 2004 an Bush ging, eroberte ihn Obama vor vier Jahren für die Demokraten zurück. «Wie Ohio wählt, so wählt die Nation», besagt ein Sprichwort. Noch nie hat ein Republikaner ohne einen Sieg in dem Bundesstaat das Weisse Haus erobert. In Umfragen liegt Obama knapp in Führung.

Vor vier Jahren holte Obama eine Mehrheit in Virginia (13 Stimmen) - als erster Demokrat seit 1964. Damals konnte er in den schnell wachsenden Vororten der Hauptstadt Washington im Norden des Bundesstaates punkten. Ausserdem profitierte er von einer starken Mobilisierung afroamerikanischer Wähler.

Diese Gruppe half Obama auch bei seinem Sieg 2008 im angrenzenden Südstaat North Carolina (15 Stimmen), wo seit 1976 kein Demokrat mehr gewonnen hatte. Umfragen zeigen ein Patt in Virginia und einen Vorsprung Romneys in North Carolina.

Wisconsin (10 Stimmen) fiel bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen in das Lager der Demokraten, Obama gewann 2008 mit 56 Prozent der Stimmen. In diesem Jahr sagen Meinungsforscher aber ein enges Rennen voraus. Als Grund dafür gilt, dass Romneys Vizekandidat Paul Ryan aus dem Bundesstaat im Norden der USA stammt.

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Auch im benachbarten Iowa (6 Stimmen) sind die Würfel noch nicht gefallen. Der Agrarstaat ist politisch tief gespalten.

Im Westen sind zwei Staaten besonders hart umkämpft: Colorado (9 Stimmen) ging zwar 2004 klar an Bush. Doch die Zahl der hispanischen Einwanderer und der Stadtbewohner, die eher demokratisch wählen, nahm seither zu. Vor vier Jahren siegte Obama.

Auch in Nevada (6 Stimmen) begünstigt die Zuwanderung von Latinos tendenziell die Demokraten.

Schliesslich ist auch der Ausgang in New Hampshire (4 Stimmen) im eigentlich demokratisch geprägten Neuengland völlig offen - in jüngsten Umfragen führte Obama hauchdünn.

(rcv/sda)