Die US-Demokratin Hillary Clinton geht als Favoritin ins Wahlkampffinale. Rückenwind erhielt sie am Sonntagabend durch die Mitteilung der Bundespolizei FBI, keine neuen Hinweise auf kriminelles Verhalten mit ihren E-Mails gefunden zu haben.

Viele Experten bezweifelten aber, dass sich die Entlastung des FBI in dieser späten Wahlkampfphase noch in einem deutlichen Stimmenschub widerspiegeln wird: Über 40 Millionen Amerikaner haben bereits gewählt.

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Solide Führung bei Wahlmännern

Trump selber erneuerte am Sonntagabend bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan seinen Vorwurf eines «total manipulierten Systems». Clinton sei «schuldig, sie weiss es, das FBI weiss es, die Leute wissen es. Nun ist es in den Händen des amerikanischen Volkes, am 8. November an den Wahlurnen der Gerechtigkeit Genüge zu tun».

Umfragen am Sonntag – vor der FBI-Mitteilung – zeigten Clinton US-weit mit einem Vorsprung von bis zu 5 Prozentpunkten vor Trump. Sie deuten auch auf eine solide Führung für die Demokratin bei den Stimmen im Wahlmännergremium hin, das am Ende den Präsidenten entsprechend den Ergebnissen in den einzelnen Bundesstaaten bestimmt.

Endspurt der Kandidaten

In einigen wenigen hatte sich das Gewicht zuletzt etwas zugunsten von Trump verschoben. Aber er müsste weiterhin eine Serie der umkämpften Staaten hinzugewinnen, um Clinton zu schlagen – schwer, aber nicht unmöglich.

So will denn Trump auch am letzten Tag vor der Wahl noch einmal durch mindestens fünf Staaten spurten, Clinton plant Auftritte in mindestens drei – darunter einen mit Präsident Barack Obama und First Lady Michelle in Pennsylvania und einen weiteren in North Carolina um Punkt Mitternacht, wenn der offizielle Wahltag in den USA anbricht.

Sorglos, aber nicht kriminell

Die E-Mail-Affäre hatte im gesamten Wahlkampf wie eine dunkle Wolke über Clinton gehangen. Der Hintergrund: In ihrer Zeit als Aussenministerin hat sie auch dienstliche Korrespondenzen über einen privaten Server in ihrem Haus laufen lassen. Trump nutzte das im Wahlkampf immer wieder als Beweis dafür, dass Clinton nicht vertrauenswürdig sei.

FBI-Chef James Comey hatte Clinton im Sommer zum Abschluss von Ermittlungen zwar extrem sorgloses Verhalten bescheinigt, aber nichts gefunden, das strafrechtliche Folgen rechtfertigt.

Keine neuen Erkenntnisse

Am 28. Oktober löste er dann einen Feuersturm der Entrüstung aus, als er publik machte, dass FBI-Ermittler neue E-Mails von Clinton oder an ihre Adresse gefunden hätten, die noch nicht untersucht worden seien – und nun geprüft würden. Das Rennen zwischen ihr und Trump wurde seitdem enger.

Am Sonntag teilte Comey nun in einem Brief an Kongressmitglieder mit, dass die neuen Ermittlungen abgeschlossen seien und sich nichts an der Einschätzung vom Sommer geändert habe. Um wie viele E-Mails es sich handelte, sagte Comey nicht.

Clinton selber ging zunächst nicht auf die neue Entwicklung ein. Aber die Wahlkampfsprecherin der Demokratin, Jennifer Palmieri, erklärte: «Wir sind froh, dass diese Angelegenheit gelöst ist.» Clinton-Sprecher Brian Fallon twitterte, man habe nichts anderes erwartet.

(sda/jfr)