Die mutmassliche Enthauptung eines weiteren amerikanischen Journalisten durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) löst weltweites Entsetzen aus. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteile das «abscheuliche» Verbrechen. «Wir sind alle entsetzt über die Berichte aus dem Irak über die brutale Ermordung von Zivilisten durch den Islamischen Staat, einschliesslich der gestern berichteten Enthauptung eines weiteren Journalisten», sagte Ban am Mittwoch bei einem Aufenthalt in Neuseeland.

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Auch der britische Premier David Cameron sprach von einem «verachtenswerten und barbarischen Mord». Der französische Präsident François Hollande meinte, die Tat beweise den «schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt.» Der vor einem Jahr in Syrien entführte Reporter Steven Sotloff soll aus Rache für die US-Luftangriffe im Irak vor laufender Kamera getötet worden sein, berichtete das US-Forschungsinstitut Site. Es beruft sich dabei auf ein Internet-Video, das die IS ins Netz gestellt habe.

Nächstes Opfer

Die IS-Miliz droht demnach, als nächstes eine britische Geisel umzubringen. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Extremisten, die weite Landstriche in Syrien und im Irak beherrschen, bereits den US-Journalisten James Foley enthauptet.

Die internationale Journalistenorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) forderte eine Bestrafung der Täter. Die Ermordungen Foleys und Sotloffs «waren Kriegsverbrechen, und diejenigen, die sie begangen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden», teilte sie mit. Sie betonte, Sotloff und Foley «waren Zivilisten, keine Repräsentanten irgendeiner Regierung».

Sotloffs Familie wollte sich nicht äussern. Ein Sprecher der Familie sagte laut US-Medien, die Familie sei über die «fürchterliche Tragödie» informiert. Sie trauere in aller Stille. Noch vergangene Woche hatte Sotloffs Mutter eine emotionale Videobotschaft an dessen Entführer veröffentlicht und um Gnade für ihren Sohn gebeten.

Keine offizielle Bestätigung

Das Weisse Haus wollte am Dienstag die Berichte über Sotloffs Tod zunächst nicht bestätigen. Die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Jen Psaki, nannte die Berichte über Sotloffs Tod entsetzlich. Die Authentizität des Videos werde schnellstmöglich überprüft. Sollten sich die Angaben bestätigen, würden die USA die Tat als Terrorakt betrachten.

In Washington mehren sich unterdessen Forderungen, dass die US-Militärs ihre Luftschläge gegen IS-Stellungen auch nach Syrien ausweiten sollen. US-Präsident Barack Obama müsse «der amerikanischen Bevölkerung und dem Kongress erklären, wie wir mit dieser Bedrohung umgehen», sagte zudem der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Repräsentantenhaus, Ed Royce, am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Weitere US-Soldaten nach Bagdad

Die USA kündigten an, weitere 400 Soldaten in den Irak zu schicken. Davon sollten 350 den Schutz der US-Botschaft in Bagdad verstärken, teilte John Kirby, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Insgesamt seien damit 820 Mann für den Schutz der Botschaftsgebäude abgestellt.

Rund 50 Soldaten, die derzeit in Bagdad seien, würden in anderen Ländern der Region stationiert, sagte Kirby. Die Regierung in Washington betont, es kämen keine Kampftruppen in den Irak.

(sda/gku/dbe)