Die Mordermittlungen zum Tod von Palästinenserführer Jassir Arafat in Frankreich werden zu den Akten gelegt. Die Untersuchungsrichter beschlossen eine Einstellung des Verfahrens, wie die Staatsanwaltschaft von Nanterre mitteilte. Es gebe keine ausreichenden Beweise für einen Mord.

Bereits Mitte Juli hatte die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens beantragt. Die Behörde geht davon aus, dass Arafat nicht mit der radioaktiven Substanz Polonium vergiftet wurde, wie es seine Witwe Suha vermutet.

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Mit 75 Jahren verstorben

Arafat war am 11. November 2004 in einem Militärspital bei Paris im Alter von 75 Jahren gestorben. Zuvor hatte sich sein Gesundheitszustand in kurzer Zeit dramatisch verschlechtert. Da seine Witwe damals eine Obduktion ablehnte, blieb die Todesursache unklar.

Als Schweizer Experten berichteten, sie hätten in Proben aus den persönlichen Sachen Arafats eine erhebliche Konzentration des hochgiftigen Stoffs Polonium nachgewiesen, erstattete Suha Arafat im Jahr 2012 in Frankreich Anzeige wegen Mordes. Polonium war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.

Leichnam exhumiert

Im November 2012 liess die französische Justiz schliesslich Arafats Leichnam in Ramallah im Westjordanland exhumieren. Drei Expertenteams in der Schweiz, Frankreich und Russland wurden mit strikt getrennten Untersuchungen der 60 entnommenen Gewebeproben betraut.

Die französischen wie die russischen Experten kamen zu dem Ergebnis, dass Arafat nicht vergiftet worden sei. Die Schweizer Experten hielten dagegen die These einer Vergiftung mit Polonium für wahrscheinlicher.

Die Staatsanwaltschaft von Nanterre erklärte im März, eine neue Untersuchung habe ergeben, dass die in Proben aus Arafats Grab nachgewiesenen Polonium-Spuren «natürlichen Ursprungs» seien. Mitte Juli beantragte die Behörde schliesslich, das Ermittlungsverfahren einzustellen.

Kein Nachweis

Die Untersuchungsrichter folgten nun diesem Antrag. Eine Vergiftung Arafats mit Polonium könne «nicht nachgewiesen» werden. Auch gebe es keine «ausreichenden Beweise» für den Versuch eines Dritten, Arafat zu töten.

Im Zuge der Ermittlungen wurde nie jemand formell beschuldigt. Viele Palästinenser verdächtigen Israel, Arafat vergiftet zu haben. Israel weist das vehement zurück.

Nach der Entscheidung vom Mittwoch kündigte die palästinensische Autonomiebehörde weitere eigene Ermittlungen an. Diese sollten fortgesetzt werden, «bis wir wissen, wie Arafat getötet wurde», sagte der für die Ermittlungen verantwortliche palästinensische Beamte Taufik Tirawi der Nachrichtenagentur AFP.

(awp/chb)