Bei einem erneuten Bootsunglück vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind am Freitag Dutzende Flüchtlinge ertrunken. Die Rettungskräfte hätten dabei auch die Leichen von Frauen und Kindern im Wasser treiben sehen, teilte die italienische Küstenwache weiter mit. Ansa meldete ohne Nennung konkreter Quellen, es seien mindestens 50 Flüchtlinge ertrunken. Insgesamt sollen etwa 250 Menschen an Bord gewesen sein, als das Schiff am Nachmittag rund 100 Kilometer vor Lampedusa kenterte.

In der Gegend war erst in der vergangene Woche ein Boot mit Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea gesunken. Dabei starben mindestens 319 Menschen. Das erneute Bootsunglück dürfte die Debatte über die europäische Flüchtlingspolitik weiter anheizen.

Das Boot war am Freitagnachmittag auf dem offenen Meer in Seenot geraten. Ein Sprecher der maltesischen Marine erklärte, sein Land beteilige sich mit einem Schiff an der Rettungsaktion und koordiniere diese, da sich das Unglück in maltesischen Hoheitsgewässern ereignet habe. Nach Angaben der italienische Marine eilten auch zwei Schiffe und Hubschrauber zur Unglücksstelle, um die Schiffbrüchigen aus dem Wasser zu retten.

«Es treiben mindestens 200 Menschen im Meer»

«Es treiben mindestens 200 Menschen im Meer und unsere Hubschrauber sammeln sei ein», sagte ein Sprecher des italienischen Marine. Die maltesische Marine teilte am späten Abend mit, man habe 150 Flüchtlinge retten können. Die italienische Seite habe zudem 56 Menschen aus dem Wasser gezogen. Demnach hätten mehr als 200 Flüchtlinge das Bootsunglück überlebt. Die Überlebenden wurden nach Lampedusa und Malta geflogen, wo sich Ärzte um sie kümmerten.

Allein seit Jahresbeginn sind nach UN-Angaben mehr als 32.000 afrikanische Flüchtlinge in Süditalien und Malta an Land gekommen. Am Freitag waren mindestens 500 Flüchtlinge in drei Booten nach Sizilien gelangt. Menschenrechtsorganisationen fordern eine Lockerung der Aufnahmebedingungen und einen besseren Schutz der Flüchtlinge.

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(reuters/moh)