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Gewalt
Erste Spuren zu Drahtzieher der Bombenserie in Thailand

Thailand: Die Suche nach den Attentätern kommt offenbar voran. Keystone

Nach den Anschlägen in Thailand mit mindestens zehn Sprengsätzen an verschiedenen Orten verfolgen die Ermittler erste Hinweise. Sie gehen von einem einzigen Drahtzieher aus.

Veröffentlicht am 15.08.2016

Polizei und Militärregierung Thailands sehen einen politischen Hintergrund der Anschläge. Die Ermittler hätten bereits eine klare Vorstellung davon, wer der Kopf der Bombenleger sein könnte, sagte der stellvertretende Polizeichef Pongsapat Pongcharoen am Sonntag vor Journalisten.

«Die Vorfälle stehen in Verbindung, sie waren über viele Gebiete genau geplant und ausgeführt und von einer Person gelenkt», sagte er. Ponsapat sagte, die Polizei glaube, dass die Angreifer «noch immer in Thailand sind».

Blindgänger entdeckt

Am Donnerstag und Freitag waren in fünf Städten im Süden des Landes mindestens zehn Sprengsätze explodiert. Die Täter hatten vor allem Touristenorte im Visier. Vier Menschen starben, mehr als 30 wurden verletzt. Die Anschläge ereigneten sich an einem Feiertag. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um Thailänder.

Am Samstag wurden einem Bericht der «Bangkok Post» zufolge zwei weitere nicht explodierte Sprengsätze in Phang Nga entdeckt. Dort hatte sich am Freitag einer der Anschläge ereignet.

Die Behörden verstärkten die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Bangkok. Vor allem bei Touristen beliebte Orte und die Flughäfen werden stärker überwacht.

Die Polizei veröffentlichte ein Phantombild eines Verdächtigen. Nach der Anschlagsserie wurden mindestens drei Menschen vorläufig festgehalten. Laut Polizeisprecher Piyapan Pingmuang wurden zwei Menschen wegen der Anschläge in Hua Hin verhört, ein weiterer wurde in der Provinz Nakhon Si Thammarat festgenommen.

Die Militärführung äusserte sich vorsichtiger und erklärte, es würden mehrere Menschen befragt. Verdächtig seien sie bislang nicht.

Kein Bekenntnis

Wer hinter den Anschlägen steckt, ist unklar. Bislang bekannte sich niemand zu den Taten. Experten zufolge fällt der Verdacht unweigerlich auf Gegner der Armee, die im Jahr 2014 Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra gestürzt hatte.

Die grössten politischen Parteien - die Demokratische Partei und Shinawatras Pheu-Thai-Partei - verurteilten die Anschläge. Beide Parteien hatten sich gegen die neue Verfassung ausgesprochen, die die Macht der Militärs zementiert.

Vor allem die Pheu Thai-Partei, deren Unterstützer wegen ihrer Kleidung auch «Rothemden» genannt werden, wird verdächtigt, in die Anschläge verwickelt zu sein. Die Partei wies dies zurück, berichtete die «Bangkok Post».

Eine Verbindung zur der separatistischen Gewalt im Süden des Landes schliessen die Ermittler weiterhin aus. Die Bomben ähnelten zwar Sprengsätzen, die bei Anschlägen in südlichen Provinzen zum Einsatz kämen, aber dennoch bestehe kein Zusammenhang, sagte Polizeichef Pongsapat.

Separatisten fordern die Unabhängigkeit der drei südlichsten Provinzen des Landes. Seit 2004 starben mehr als 6000 Menschen bei Bombenanschlägen und Schiessereien.

(sda/chb/me)

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