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Appell
Erste US-Zeitung ruft Trump zur Aufgabe auf

Deutlicher geht's kaum: Die New Yorker «Daily News» hat Donald Trump dazu aufgerufen, seine Kandidatur an den Nagel zu hängen. Dieser denkt wohl nicht daran - auch wenn er zunehmend an Boden verliert.

Von Caroline Freigang
am 10.08.2016

Immer wenn man denkt, er könne nicht mehr weiter gehen, tut er es: Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, deutete bei einem Auftritt in North Carolina an, seine Kontrahentin Hillary Clinton sei wohlmöglich mithilfe von Waffenbesitzern zu stoppen. Die Reaktionen kamen prompt: Clintons Mitarbeiter bezeichneten die Aussage als äusserst gefährlich: «Jemand, der Präsident der Vereinigten Staaten werden will, sollte in keinster Weise Gewalt suggerieren», hiess es in einer Mitteilung.

Die linke Senatorin Elizabeth Warren erklärte über Twitter, Trump «mache Todesdrohungen, weil er ein armseliger Feigling ist, der die Tatsache nicht ertragen kann, dass er gegen ein Mädchen verliert».

«Das hier ist kein Witz mehr»

Die New Yorker Zeitung «Daily News» geht jetzt noch einen Schritt weiter: Auf der Titelseite ihrer heutigen Ausgabe ruft sie Trump dazu auf, hinzuschmeissen. «Das hier ist kein Witz mehr», steht in Grossbuchstaben neben einem Bild des Kandidaten.

«Als Trump darauf anspielte, Befürworter von Waffenrechten sollten Hillary erschiessen, ist er von beleidigend zu rücksichtslos übergegangen. Er muss seine Kampagne beenden. Wenn nicht, müssen die Republikaner ihn fallen lassen», so der Appell der Boulevard-Zeitung.

Äusserung aus dem Zusammenhang gerissen

Am Vorabend hatte die «New York Daily News» bereits in einem Online-Editorial zu diesem Schritt aufgerufen: Donald Trump muss seine Kampagne für das Weisse Haus beenden (...) und gleichzeitig hoffen, dass ihm nichts wegen seiner Gedankenspiele über eine Ermordung Hillary Clintons passiert», hiess es.

Trumps Wahlkampfteam hatte indes erklärt, Trump habe mit seiner Bemerkung nur ausdrücken wollen, welch grosse politische Macht die Verfechter des Verfassungs-Zusatzes hätten, weil sie einheitlich zusammenstünden. Auch New Yorks ehemaliger Bürgermeister Rudy Giuliani sprang Trump bei. Er sagte, Trump habe mit seiner Äusserung darauf hingewiesen, dass die Bürger die Macht hätten, gegen Clinton zu stimmen. Die US-Medien hätten Trumps Äusserung aus dem Zusammenhang gerissen, um Clinton zu helfen.

Clinton baut Vorsprung auf

Wie auch immer die Aussage zu deuten ist: Die  Kontroversen um Donald Trump hinterlassen langsam Spuren: Noch vor Trumps besagter Rede in North Carolina hatte eine neue Umfrage gezeigt, dass Clinton ihren Vorsprung gegenüber dem Republikaner ausbaut. In der am Dienstag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage entschieden sich 42 Prozent der Befragten für Clinton, 35 Prozent für Trump. Am Donnerstag hatte ihr Vorsprung noch bei drei Prozentpunkten gelegen.

Zuletzt wandten sich immer mehr Republikaner von Trump ab, 50 prominente republikanische Sicherheitsexperten warnten in einem Brandbrief, Trump würde «der rücksichtloseste Präsident der amerikanischen Geschichte sein». Dazu kommt die Organisation der US-Veteranen erklärte, Trump habe eine Grenze überschritten, als er Angehörige eines getöteten Soldaten beschimpfte.

Schuss in den Ofen

Noch am Montagabend hatte Trump versucht, mit seinem Wirtschaftsplan – einem Kernpunkt in seinem Wahlkampf – Boden gut zu machen. Doch auch das ging nach hinten los: Ökonomen bezeichneten seine Pläne als «Desaster». Am Donnerstag ist nun Spitzenkandidatin Hillary Clinton im Rennen ums Weisse Haus dran, ihre Pläne für die US-Wirtschaft zu präsentieren.

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