Einer der acht festgesetzten europäischen OSZE-Beobachter ist in der Ostukraine freigelassen worden. Der Schwede sei aus medizinischen Gründen auf freien Fuss gesetzt worden, sagte eine Sprecherin der prorussischen Separatisten am Sonntagabend. «Er leidet unter einer leichten Form von Diabetes, deshalb haben wir entschieden, ihn zu entlassen», ergänzte sie.

Es gebe jedoch keine Pläne, die anderen Beobachter am Sonntag gehen zu lassen. Einem Augenzeugen zufolge wurde der Schwede von drei Männern zu einem OSZE-Fahrzeug begleitet. Eine Delegation der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) traf am Wochenende in der ukrainischen Stadt Slawjansk ein, um über die Freilassung der Gefangenen zu verhandeln. Unter den OSZE-Vertretern befinden sich auch vier Deutsche.

Spannungen zwischen Russland und dem Westen verschärfen sich

Die Gefangennahme der Beobachter verschärfte die Spannungen zwischen dem Westen und Russland weiter. Die Aufständischen in Slawjansk hatten die Inspekteure am Sonntag auf einer Pressekonferenz vorgeführt. Die insgesamt 13 Mitglieder des OSZE-Militärbeobachtereinsatzes waren am Freitag gefangengenommen worden. Die Separatisten werfen ihnen Spionage vor. Neben drei Bundeswehrsoldaten und einem deutschen Übersetzer gehören jeweils ein Militärbeobachter aus Tschechien, Polen, Schweden und Dänemark sowie fünf ukrainische Soldaten zu der Gruppe.

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Bundespräsident Joachim Gauck kritisierte die Separatisten scharf und warf Russland vor, sie zu unterstützen. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: «Die OSZE hat unsere volle Unterstützung für die derzeit laufenden Verhandlungen. Wir arbeiten weiter im engsten Kontakt mit der OSZE mit allem Nachdruck daran, eine gute Lösung herbeizuführen». Die am Sonntag erfolgte öffentliche Zurschaustellung der OSZE-Beobachter und der ukrainischen Sicherheitskräfte als Gefangene sei abstossend und verletze in eklatanter Weise die Würde der Betroffenen. Russland stehe in der Pflicht, auf die Separatisten einzuwirken, damit sie die festgehaltenen Mitglieder der OSZE-Mission schnellstmöglichst auf freien Fuss setzen.

«Wir sind in einer stärkeren Position»

Die sieben führenden Industriestaaten beschlossen derweil, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Neue Strafmassnahmen könnten am Montag verkündet werden. US-Präsident Barack Obama verschärfte abermals den Ton gegen Russland und forderte die westlichen Staaten auf, geschlossen vorzugehen. «Wir sind in einer stärkeren Position, Herrn Putin abzuschrecken, wenn er sieht, dass die Welt geeint ist, dass Europa und die USA geeint sind», sagte Obama.

Der ukrainische Übergangsministerpräsident Arseni Jazenjuk warf Russland vor, einen Krieg provozieren zu wollen. Die russische Luftwaffe sei am Samstag siebenmal in den Luftraum der Ukraine eingedrungen, sagte er. «Der einzige Grund dafür ist, die Ukraine zu provozieren und uns zu beschuldigen, einen Krieg gegen Russland zu führen.»

Prorussische Separatisten nehmen Fernsehsender ein

Im Osten der Ukraine übernahmen prorussische Separatisten die Kontrolle über einen Fernsehsender. Vier maskierte Aufständische mit Schlagstöcken und Schilden bewachten am Sonntag den Eingang des Gebäudes in Donezk. Im Innern waren weitere uniformierte Separatisten zu sehen. Ein wenig entfernt standen rund 15 Polizisten, sie griffen aber nicht ein. Vor dem Gebäude demonstrierten etwa 400 Menschen, sie riefen «Russland!» und «Referendum!» und verliehen damit ihrer Forderung nach einem Anschluss an Russland Ausdruck. Die Wachen an den Türen blieben, auch nachdem die Demonstranten weitergezogen waren.

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(reuters/dbe)