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Studium
ETH-Präsident plädiert für «echtes Lernen»

Für den neuen ETH-Chef Lino Guzzella sollen Onlinekurse nur eine Nebenrolle beim Studium spielen. «Echtes Lernen» sei mehr als das blosse Einprägen von Fakten.

Veröffentlicht am 28.12.2014

Der neue ETH-Präsident Lino Guzzella hält nicht viel von den Online-Fernkursen, die Universitäten weltweit in steigender Zahl anbieten. Nicht einmal das Studium von Büchern führe zur Erkenntnis. 

«Die Idee, dass man einen Text liest oder eine Website anschaut und verstehen soll, was gemeint ist, ist eine Illusion. Das funktioniert in meinen Augen nicht», sagt Guzzella im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Lernen ist mehr als Fakten einprägen

Die sogenannten «Massive Open Online Courses» gelten bei vielen Universitäten als die Zukunft des Lernens. Für Guzzella sind sie nur als Ergänzung hilfreich, etwa um sich Fakten einzuprägen.

Dies sei aber nicht die Aufgabe einer Hochschule. Diese müsse den Studierenden beibringen, selbständig und kritisch zu denken. «Wir wollen nicht Menschen ausbilden, die bestehendes Wissen wiedergeben, sondern solche, die Neues schaffen können».

Dieses «echte Lernen» finde nicht im Internet statt, sondern über den direkten Kontakt mit Menschen. Lernen sei sozial und emotional bestimmt.

Berührungspunkte mit der SVP

Guzzella, bis jetzt Rektor der ETH Zürich, übernimmt am 1. Januar das Präsidium und wird damit zur obersten Führungsperson der Elitehochschule. Er warnt vor einem grenzenlosen Wachstum der Studierendenzahl und befürwortet eine Regulierung der ausländischen Studenten.

Die ETH hat sich zwar öffentlich gegen die Ecopop-Initiative ausgesprochen und sich dabei sogar eine Beschwerde von Studenten eingehandelt. Er verstehe aber viele Argumente der Befürworter. Mit den Initianten und auch mit der SVP gebe es durchaus Berührungspunkte, sagt Guzzella.

(gku)

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