Der luxemburgische Notenbankchef Yves Mersch kann vorerst nicht ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) aufrücken. Das Europäische Parlament verschob eine Anhörung Merschs und blockierte damit zunächst den Einzug des Geldpolitikers in das oberste Gremium der EZB.

Grund für die Verschiebung sei, dass offenbar keine weibliche Kandidatin für den Posten erwogen worden sei. Das Parlament habe vom EU-Rat und von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bislang keine schriftliche Antwort auf eine entsprechende Anfrage erhalten.

Europäisches Parlament

Die Parlamentarier hatten zudem angemahnt, ein mittelfristiges Konzept zur Verbesserung des Frauenanteils in Spitzenpositionen vorzulegen. Seit dem Ausscheiden der österreichischen EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell im Mai 2011 ist in der EZB-Führungsspitze keine Frau mehr vertreten.

Das Europäische Parlament hat bei der Besetzung der Spitzenposten der EZB ein Anhörungsrecht, kann die Ernennung aber nicht durchkreuzen. Allerdings kann ohne die Anhörung die Nominierung auch nicht vollzogen werden.

Die Finanzminister der Eurozone hatten Mersch im Juli für den Direktoriumsposten nominiert. Auch der EZB-Rat hat bereits grünes Licht für den Luxemburger gegeben. Mersch soll den seit Ende Mai vakanten Posten des Spaniers Jose Manuel Gonzalez-Paramo im sechsköpfigen Führungsgremium der Zentralbank einnehmen.

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(jev/sda)