Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat wesentlich zum Beschäftigungswachstum in der Schweiz beigetragen. Laut des neusten Berichts des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) kann rund die Hälfte des Zuwachses mit der Zuwanderung in Verbindung gebracht werden.

Seit 2002 hat die Zahl der Erwerbstätigen um insgesamt 624'000 Personen zugenommen. Fast die Hälfte davon entfallen auf ausländische Kurz- und Daueraufenthalter (179'000 Personen) sowie Grenzgänger (114'000 Personen). Gleichzeitig ist die Arbeitslosen- und Erwerbslosenquote konstant geblieben.

«Das Freizügigkeitsabkommen mit der EU hat der Schweiz ein überdurchschnittliches Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum ermöglicht», sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim SECO, vor den Medien in Bern. Dies hänge auch mit zusammen, dass meist hochqualifizierte Personen in die Schweiz zugewandert seien.

Gut ausgebildete Zuwanderer

Heute sind die Zuwanderer, die sich in der Schweiz befinden, deutlich besser qualifiziert als vor 2002 und damit vor der Freizügigkeit. 58 Prozent der EU-Zuwanderer verfügen über einen höheren Berufsabschluss oder bringen ein Fachhochschul- oder Universitätsdiplom mit. Nur 14 Prozent der Zuwanderer verfügten lediglich über einen obligatorischen Schulabschluss.

Im Vergleich zur Schweizer Bevölkerung sind die EU-Zuwanderer entweder besser qualifiziert mit einem Uniabschluss oder aber sie absolvierten lediglich die obligatorische Schulzeit. 48 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen zwischen 30 und 39 Jahren haben einen Uni- oder Fachhochschulabschluss, 9 Prozent können nur ein Diplom der Sekundarstufe I aufweisen.

Arbeit als Zuwanderungsgrund

«Die Leute kommen, um zu arbeiten», sagte Zürcher. Laut dem Bericht sind es über 60 Prozent, die wegen einer Arbeitsstelle in die Schweiz zugewandert sind. Das sei dadurch zu erklären, dass die Wirtschaft einerseits Fachkräfte nachfrage, andererseits aber auch niedrig qualifizierte Saisonarbeitskräfteb gebraucht würden.

Weiteres Ergebnis der Studie des Seco und weiterer Bundesstellen ist, dass die EU-Zuwanderer den schweizerischen Arbeitsmarkt ergänzt haben. «Es gibt keine Verdrängung von Schweizerinnen und Schweizer durch Ausländerinnen und Ausländer», sagte Zürcher.

So viele wie nie zuvor

Insgesamt sind im vergangenen Jahr so viele Menschen wie noch nie mit der Personenfreizügigkeit in die Schweiz gezogen. Unter dem Strich wanderten 66'200 Personen wegen des Abkommens ein.

Der bisherige Höchststand bei der Nettozuwanderung war 2008 mit 61'200 Personen verzeichnet worden. Der Rekordwert für 2013 zeuge davon, dass sich die Wirtschaft in der Schweiz weiter vom Einbruch nach der Finanzkrise erholt habe, sagte Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch.

Auffallend ist, dass die von der Euro-Krise betroffenen Länder wie Spanien am stärksten zur Zuwanderung beigetragen haben. Die Hälfte der Zuwanderer kamen 2013 aus diesen Ländern, während noch 15 Prozent der Zuzüger aus Deutschland stammten - ein Land, das jahrelang wichtigster Treiber war.

Flankierende Massnahmen wichtig

In der ersten Analyse seit der Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative im Februar ziehen die Behörden eine «aus volkswirtschaftlicher Sicht» positive Bilanz zur Freizügigkeit. Sie räumen zwar ein, dass sich das Wachstum der Schweizer Bevölkerung seit Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 stark beschleunigt hat. Ende 2013 lebten 1,95 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz.

Trotz des starken Bevölkerungswachstums seien die Löhne aber real gestiegen, und die Sozialwerke hätten von jungen Einzahlern profitiert, wie das Seco feststellt. Dass gerade die tiefen Löhne nicht «abgeglitten» seien, sei vor allem auf die flankierenden Massnahmen zurückzuführen.

(sda/dbe/sim)

Anzeige