Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sieht erste Signale für eine Wende in der krisengeschüttelten griechischen Wirtschaft. Es gebe positive Zeichen. Nächstes Jahr sei eine Besserung zu erwarten mit leichtem Wachstum, sagte der Niederländer bei seinem ersten Besuch als Chef des Eurogremiums in Athen. Die ganze Eurogruppe habe grossen Respekt davor, welch schwere Zeiten die Griechen jetzt für einige Jahre durchmachen müssten, erklärte er.

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Dijsselbloem betonte, alle Staaten der Eurozone müssten Reformen realisieren. «Alle Länder der Eurozone müssen konkurrenzfähiger werden», sagte er. Der Eurogruppenchef traf am Freitag zunächst Regierungschef Antonis Samaras von den Konservativen und dessen Koalitionspartner, den Sozialisten Evangelos Venizelos. Der Chef der kleineren Koalitionspartei Demokratische Linke, Fotis Kouvelis, fehlte aus gesundheitlichen Gründen.

Wie es aus Kreisen des Büros der Regierungschefs hiess, stand die hohe Arbeitslosigkeit im Mittelpunkt der Gespräche. Zudem sei es der Wunsch der Regierung, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie von derzeit 23 Prozent auf 13 Prozent zu senken. Dies würde nach Ansicht Athens den wichtigen Tourismussektor in Griechenland stärken.

Möglichkeiten einer Streckung der Fristen

Dijsselbloem traf anschliessend den griechischen Finanzminister Ioannis Stournaras. Dabei wollte er nicht auf die Frage eingehen, ob es Möglichkeiten einer Streckung der Fristen für die Sparziele sowie bei den Rückzahlungen der Hilfskredite für Griechenland gebe, hiess es. Es gebe ein laufendes Hilfsprogramm, alles andere könne später, wenn es nötig werde, erörtert werden. Darüber könnte man aber, unter der Voraussetzung, dass die Griechen ihr Konsolidierungsprogramm fortsetzten, 2014 sprechen.

Dijsselbloem erklärte bei seinem Besuch, er wolle als Eurogruppenchef bis Ende 2014 weitermachen. Frankreichs Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten am Vortag einen Vollzeitpräsidenten für die Eurogruppe vorgeschlagen. Dieser deutsch-französische Plan sei nicht neu, sagte Dijsselbloem, der zugleich niederländischer Finanzminister ist. Die Idee sei bereits 2011 im Gespräch gewesen. «Ich weiss, es gibt verschiedene Ansichten dazu. Ich plane jedenfalls bis Ende 2014 weiterzumachen», sagte Dijsselbloem. Er sehe diese Vorschläge nicht als eine «Attacke» gegen ihn.

(tke/awp)